[Rezension]
Wenn ich
die Augen schließe

Februar 28, 2021


Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!*

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Ava Reed - Wenn ich die Augen schließe

Genre: Jugendbuch
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 08. Oktober 2020
Verlag: Loewe Verlag
Seitenanzahl: 320 Seiten

Ebook: 11,99 € ; Print: 14,95 €
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Inhalt:

Was, wenn du dich an alles erinnern kannst – außer an deine Gefühle?

Diese Frage stellt sich Norah nach einem schweren Autounfall.
Zwar erinnert sie sich an die meisten Momente ihres Lebens, aber eben nicht an das, was sie dabei empfunden hat. Liest sie gern? Liebt sie ihren Freund?
Findet sie ihre kleine Schwester tatsächlich so nervig?
Nur ihren Sandkastenfreund Sam verbindet sie noch mit einem Gefühl.
Doch sie hatten seit Jahren keinen Kontakt, weil Norah beliebt wurde und Sam nicht.
Während die beiden sich langsam wieder annähern, entwickeln sie eine Ausprobierliste.
Und plötzlich fragt sich Norah: War sie vor dem Unfall wirklich sie selbst?

Meinung:

Grundsätzlich liebe ich die Jugendbücher von Ava Reed.
Sie hat einen ganz eigenen Stil, der einen gefangen nimmt und mit Gefühlen überschwemmt, stets einen moralisch-lehrreichen Aspekt hat und irgendwo, irgendwie immer berührt. „Wenn ich die Augen schließe“ ist eine Geschichte über Veränderung, über tiefgreifende Freundschaften, Mobbing und die kleinen Freuden des Lebens. Eigentlich perfekt.
Doch diesmal war die Grundstimmung leicht außerhalb des Taktes.

Was man vom Schreibstil der Autorin jedoch nicht sagen kann, denn der war wie gewohnt einnehmend, leicht, jugendlich, frisch, emotional.
Ihre Storys zu lesen ist teilweise wie als wenn man durch fluffige Wolken gleitet.
Schwerelos und schön. Einfach. Atmosphärisch.
Und auch Norahs Leben, erzählt aus der Ich-Perspektive, schien anfangs genau das zu sein: Einfach und schön.
Es hat allerdings nicht lange gedauert und ich wusste, was und wie es kommt.
Diese Vorhersehbarkeit hat der fluffigen Wolke ein wenig Substanz geraubt.

Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.
Bei Norah ist es das Leben vor und nach dem Autounfall, der alles verändert.
Vor dem Unfall schien sie unausstehlich, aber beliebt.
Nach dem Unfall... nun, das gilt es herauszufinden.
Gemeinsam mit Sam, der wegen Norah einige harte Jahre durchmachen musste.
Das zu lesen war nicht schön und ich wüsste nicht, wie ich an Sams Stelle gehandelt hätte. Die Autorin hat mit ihm einen sehr starken Charakter gezeichnet.
Aber auch Norah ist einigermaßen authentisch gelungen.

Die Handlung an sich gibt nicht viel her, da sich der Großteil auf der emotionalen Ebene abspielt. Das war auch zu erwarten, denn mal ehrlich, wer würde nicht alles infrage stellen, wenn ab einem bestimmten Punkt im Leben die Gefühle einfach ausgelöscht sind. Und gerade bei dem Wiederfinden von Norahs Emotionen konnte die Autorin mich überzeugen. Der familiäre Part war einfach zuckersüß, mit der erwähnten Ausprobierliste kommt ein Hauch Abenteuer hinzu und die Entwicklung, die die Protagonistin durchmacht ist unheimlich greifbar.

Der ernstere Ton, der hier angeschlagen wird, bringt ein wenig Schwung und Spannung in die Geschichte. Natürlich sollte man dabei eigentlich nicht von Spannung sprechen, weil Mobbing alles sein sollte, nur nicht spannend.
Ich hoffe trotzdem, man versteht was ich meine, wenn ich sage, dass ich beizeiten Angst hatte, was noch kommen könnte - obwohl ich mir schon ein bisschen was zurecht gelegt hatte. Dieses Zittern, die Unwissenheit jeden Tag aufs Neue durch Martyrien zu gehen, zu erfahren, was es heißt in der Opferrolle zu sein, das war eine Zerreißprobe für die Nerven.

Das Einzige, was mich ein wenig gestört hat, war Sams Umgang mit Norah.
Es liegt eine Kluft zwischen den beiden und es ist auch nur meine persönliche Ansicht, meine Einstellung zum Thema Vertrauen und zweite Chancen, dass ich an Sams Stelle nicht so offenherzig gewesen wäre.
Aber gerade diese Eigenschaft macht den Einzelgänger von nebenan aus.

Fazit:

Glasmurmelerinnerungen.
Das sind Momente, die man auf ewig festhalten sollte.
Die das Hirn abspeichert und in schlechten Zeiten wieder hervorholt.
So, wie es bei Norah gerade geschieht.
Bloß, dass ihre Murmeln nur noch wie Bilder ohne Ton sind. Wie ein Tanz ohne Musik.
„Wenn ich die Augen schließe“ ist gefühlvoll - obwohl der Protagonistin eben diese fehlen und angenehm zu lesen. Kein komplettes Wohlfühlbuch, aber nah dran.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

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