[Rezension]
Sodom
(Utopia Gardens 1)

Januar 10, 2021


Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!*

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Eva Siegmund - Sodom
(Utopia Gardens 1)

Genre: Thriller
Reihe/Band: Band 1
Schlüpftag: 02. November 2020
Verlag: Droemer Knaur
Seitenanzahl: 368 Seiten

Ebook: 9,99 € ; Print: 12,99 €
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Inhalt:

Berlin in einer nahen Zukunft: Wer sich nicht scheut, gegen rigorose Gesetze zu verstoßen, kann seinen Körper mithilfe illegaler Prothesen in eine tödliche Waffe verwandeln. Diese Kriminellen werden »Cheater« genannt.
Seit ein Cheater Birols Vater ermordet hat, kennt der junge Mann nur noch ein Ziel:
den »Käfig« – das Hauptquartier der Polizei von Berlin Mitte. Als Polizist kann Birol endlich selbst Jagd auf den Mörder seines Vaters machen.
Doch im »Käfig« sind die Dinge keineswegs so, wie er es sich erhofft hat.
Birols neues Team besteht aus der zum Strafdienst verurteilen Kratzbürste Raven und der schüchternen Polizeischülerin Laura, und seine älteren Kollegen sind entweder faul oder korrupt. Oder beides. Als der erste tote Cheater auftaucht, ahnen weder Birol noch Raven oder Laura, wie eng dieser Mord mit ihren eigenen dunklen Geheimnissen verknüpft ist – und mit dem Utopia Gardens. Der größte Club der Welt, in dem Nacht für Nacht die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, bildet das Zentrum eines gewaltigen Sturms, der sich über Berlin zusammenbraut.

Meinung:

Kennt ihr das, wenn ein Buch eigentlich total faszinierend ist, sich aber trotzdem zieht, weil die Schrift zu klein ist?
Wenn man beim Lesen das Gefühl hat, dass es einem super gut gefällt und rückblickend allerdings nicht richtig sagen kann wieso?
Sodom ist so ein Buch. Zwiespältig.
Theoretisch echt klasse, vom Feeling her.
Aber es fehlte auch einiges.

Ich hatte ehrlich gesagt zu keiner Zeit beim Lesen das Gefühl, dass es langweilig ist.
Dafür liebe ich das Setting zu sehr. Berlin und Hamburg.
Düster, dreckig, rau. Mit dunklen Hotspots, vielen Geheimnissen und einer hohen Vertuschungsrate. Wenn ich allerdings länger darüber nachdenke, hat mich nicht alles gefesselt. Die Spannung zum Beispiel war nur hauchdünn vorhanden, weil vieles sehr vage gehalten wird. Klar, es gibt Razzien, Tote, Machtgier und auch ein paar herzzerreißende Szenen. Aber nichts wirklich Klares.
Es wird angeteasert, heiß gemacht, aber bis auf das Ende habe ich kaum einen Durchblick erhalten. Und ich brauche zumindest ein oder zwei gelöste Rätsel für ein Erfolgsgefühl und um bei der Stange zu bleiben.
Grundsätzlich ist dieses ganze „oberflächlich halten“ eine geniale Thrillerstrategie.
Aber Sodom ist viel mehr als nur ein Thriller und deshalb hat mich das ein wenig gestört.

Was mich weniger gestört hat, sind die Charaktere.
Die sind nämlich alle äußerst breit aufgestellt - nicht nur in der Anzahl der vorhandenen Perspektiven - sondern auch auf emotionaler Ebene.
Man bekommt im Laufe der Handlung zu jeder Figur ein kleines Portfolio.
Raven, die Diebin mit dem schlohweißen Haar, den merkwürdigen Hobbys, die eigentlich eiskalt wirkt und gleichzeitig irgendwie sympathisch. Laura, die Überlebenskünstlerin, die süße, unschuldige Azubine, die es faustdick hinter den Ohren hat.
Und Birol, der viel zu junge Polizist mit dem kriminellen Familienumfeld, der einem fast schon ein bisschen leid tun kann.
Aber auch die gesamten Nebencharaktere, die hin und wieder Dinge zur Story beitragen, sind sehr authentisch dargestellt.
Ronny, der Sicherheitsmann mit dem Herz aus Gold.
Das ungleiche Geschwisterpaar Othello und Ophelia.
Cristobal. Mikael und Eugene. Nina. Lin.
Die gesamte Belegschaft des Utopia Gardens.

Und dann wäre da die Story selbst, nebst Schreibstil.
Der Stil ist einnehmend und ich habe selten bei so kleiner Schrift jedes Wort gelesen.
Hier schon. Weils irgendwie gepackt hat.
Trotzdem war die Schreibe ein wenig einschläfernd. Beides.
Schwer zu beschreiben. Angenehm, aber doch nicht.
Die Haupthandlung spielt in Berlin, im Utopia Gardens - ein Club für wirklich alles Mögliche - und dem Käfig, der abgewrackten Polizeistation. Es hatte seinen Charme. Hatte es wirklich. Es wäre jedoch mit tiefgreifenden Emotionen eindrucksvoller gewesen.
Durch den Still in der dritten Person blieb das etwas außen vor.
Dabei hat die Story so viel Potenzial für Emotionen.
Genug Platz, Charaktere und Co sind vorhanden.

Eigentlich geht es nur darum einen Mordfall aufzuklären, für den sich anscheinend keiner interessiert. Bestechung steht nebenbei auch hoch im Kurs.
Durch die modifizierten Menschen, so genannte Cheater, die künstlich-maschinelle Körperteile besitzen bekommt die Story neben dem Thrill auch noch einen Hauch Dystopiefeeling. Und die Atmosphäre des Utopia Gardens, den Raven ihr zweites Zuhause nennt, fühlte es sich an, als wäre es eine gänzlich andere Welt in die man abtaucht.
Zur oben erwähnten Spannung lässt sich hinzufügen, dass es weitaus packender gewesen wäre, wenn sich die Handlung mehr um die Cheaterthematik gedreht hätte und weniger um die vielen Probleme der einzelnen Charaktere. Obwohl das ja eben Sodom auch einzigartig gemacht hat. Alles ein bisschen schwierig.

Fazit:

Wenn ich abschließend eins auf jeden Fall sagen kann, dann dass Sodom einzigartig ist.
Nicht, weil es außergewöhnlich im Stil oder im Setting ist, sondern weil es einfach mal den Fokus auf etwas ganz Anderes legt als auf blutige Morde, irreführende Fallpfade oder komplexe Psychospielchen wie man das von anderen Thrillern kennt.
Die Vermischung von Dystopie, Thrill und Realität ist faszinierend gewesen, ebenso wie die Charaktere und alles drum herum. Es mangelte zwar an packender Spannung und von einigen Themen hätte ich gern mehr erfahren, aber die Atmosphäre ist wahnsinnig authentisch, dreckig und dunkel, wie gesagt.
Ob ich die Fortsetzung lese, weiß ich noch nicht, allerdings hoffe ich, dass Sodom ein paar mehr Liebhaber findet.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️💫 (3,5/5)

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