[Rezension]
Die Frau ohne Namen

Juli 11, 2020


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Greer Hendricks & Sarah Pekkanen - Die Frau ohne Namen

Genre: Psychothriller
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 24. März 2020
Verlag: Rowohlt Polaris
Seitenanzahl: 464 Seiten

Ebook: 9,99 € ; Print: 16,00 €
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Inhalt:

Frauen zwischen 18 und 32 für Ethik- und Moralstudie gesucht.
Großzügige Vergütung. Anonymität garantiert.

Als Jess sich für die Studie anmeldet, glaubt sie, nur ein paar Fragen beantworten zu müssen, um das Geld einstecken und wieder verschwinden zu können.
Doch „Testperson 52“, wie Jess nun genannt wird, erweist sich als verheißungsvolles Forschungsprojekt, die Fragen werden immer persönlicher.
Jess kann kaum noch unterscheiden, was in ihrem Leben real ist oder nur eines der manipulativen Experimente von Dr. Shields.
Gefangen in einem Netz aus Täuschung und Eifersucht muss Jess erkennen, dass manche Obsessionen tödlich sein können.

Meinung:

Ich gestehe, ich liebe Psychospielchen.
Wenn man den Verstand austrickst, verwirrt und auf falsche Fährten führt.
Bewusst oder unbewusst Details verbirgt oder in die Handlung einfließen lässt, sodass der Leser gezwungen ist dem ein oder anderen Pfad zu folgen und sich die Konsequenzen selbst zusammenzureimen. Und genau dieses Szenario hat das Autorinnenduo in „Die Frau ohne Namen“ fast perfekt dargestellt.

Jessica Farris ist 28, wohnt in New York, hat eine kleine Wohnung samt Hund und hält sich mit ihrem Job als freie Kosmetikerin bei BeautyBuzz über Wasser.
Bei einem ihrer Aufträge erfährt sie zufällig von oben erwähnter Ethik- und Moralstudie, meldet sich an, weil Geld niemals verkehrt ist und stößt damit den Stein an, der schlussendlich einen Tsunami auslösen wird. Diese Ethikstudie geht nämlich weit über die Grenzen normaler Forschungsarbeiten hinaus. Und es war durchaus spannend mitzuverfolgen welche Richtung Jessica in diversen Situationen einschlägt.

Zu Beginn dachte ich noch, ich hätte alles schon durchschaut.
Aber Pustekuchen. Das Autorinnenduo hat das „In-die-Irre-führen“ echt drauf.

„Es ist leicht, andere zu verurteilen. [...] 
Doch halten Sie sich mit Unterstellungen zurück, zumindest vorerst. 
Wir alle haben Gründe für unsere Handlungen. 
Selbst wenn wir diese Gründe vor denen,
die uns am besten zu kennen meinen, verheimlichen.
Selbst wenn die Gründe so tief verborgen liegen,
dass wir sie selbst nicht erkennen können.“
(Seite 9)

Rückblickend würde ich das als Warnung bezeichnen.
Als Warnung davor, dass man niemals auf den ersten Blick wissen kann, was in anderen Menschen vor sich geht. Ich habe es mir anfänglich angemaßt, wurde aber schnell eines Besseren belehrt.

Die Geschichte von Jessica und Dr. Shields ist, ehrlich gesagt, ein wenig unheimlich.
Was hat diese junge Frau dazu verleitet, sich auf eine so intensive Bindung mit einem Therapeuten einzulassen?
Denn das, was die Protagonistin nach der Erweiterung der Ethikstudie erwartet, grenzte für mich schon beim Lesen an Besessenheit.
Das fängt bei der Handlung an, die aus Dr. Shields Sicht verfasst ist.
Der Charakter redet von sich selbst mehr oder weniger in der dritten Person - so ganz konnte ich das irgendwie nicht fassen und zuordnen - und das lässt die Figur kalt und sachlich wirken. Selbst bei Themen, deren Grundpfeiler eine tiefe Emotionalität voraussetzen.

Ganz im Gegensatz dazu erzählt die eigentliche Protagonistin Jessica in der Ich-Perspektive wie sie in Dr. Shields Machenschaften gerät.
Hier kommt jedoch der einzige Punkt, den ich zu bemängeln habe.
Jessicas Naivität ist nicht ausgeprägt und wird vom Wunsch nach Geld überlagert, allerdings hätte ihr Misstrauen in die ganze Sache, meiner Meinung nach, früher greifen müssen. Sie wird als klug genug beschrieben, um zumindest eine gewisse Skepsis an den Tag zu legen.

Darüber hinaus fand ich diesen „Roman“, der mit der menschlichen Psyche und den Auswirkungen auf bestimmte Situationen spielt, sehr gelungen.
Ich konnte die Geschichte kaum aus der Hand legen und wollte wissen, was für ein perfides Machtgehabe hinter Dr. Shields Verhalten steckt.
Wie Jessica mit den immer gefährlicheren Szenarien umgeht.
Wem sie noch trauen kann und ob die Liebe dann doch alles besiegt.

Fazit:

„Die Frau ohne Namen“ ist kein blutiger, gewaltsamer Thriller.
Es ist eine Art Lebensgeschichte. Er basiert auf einer zerrütteten Ehe.
Auf gebrochenem Vertrauen und dem Versuch der Heilung.
Auf der krankhaften Denkweise von Dr. Shields und Jessicas moralischer Einstellung.
Die Geschichte hätte ein wenig kürzer sein können, aber die Sogwirkung ist trotzdem enorm. Ein raffiniertes Lügenkonstrukt, Neugier und die Suche nach der Wahrheit treiben den Verstand in ungeahnte Sphären und die Spannung brodelt unter der Oberfläche und hinter jeder blank polierten Ecke von Dr. Shields Haus.
Durchbrecht sie, forscht tiefer und lasst euch überraschen.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️💫 (4,5/5)

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2 Kommentare

  1. Hallo Micky,
    dieses Buch ist irgendwie total an mir vorbeigegangen. Das, was du über die kleinen (?) Psychospielchen schreibst, hat mein Interesse geweckt. Das könnte auch was für mich sein. Kommt gleich auf die Wunschliste :o)
    Vielen Dank für diese interessante Buchvorstellung.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    Antworten
    1. Hey Tanja.
      Ja, die Psychospielchen sind mehr oder weniger klein.
      Man fragt sich halt dauerhaft worauf die Protagonisten hinauswollen. Ein bisschen Brainfuck halt. :D
      Viel Spaß <3

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