[Rezension]
Kryonium
(Die Experimente
der Erinnerung)

Mai 26, 2020


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Matthias A. K. Zimmermann - Kryonium
(Die Experimente der Erinnerung)

Genre: Fantasy
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 28. Oktober 2019
Verlag: Kadmos Verlag
Seitenanzahl: 324 Seiten

Ebook: — € ; Print: 19,90 €
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Inhalt:

Gefangen an einem unbekannten Ort, schmiedet der Erzähler heimlich Fluchtpläne.
Die Tatsache, ohne Erinnerungen zu sein, erschwert das Vorhaben.
Doch der Drang, endlich auszubrechen aus diesem furchteinflößenden, schneeverwobenen Schloss, lässt ihn jedes Risiko eingehen.
Und so gerät der Erzähler immer tiefer hinein in einen wirren Strudel aus rätselhaften Begegnungen und magischer Paranoia, die er spielerisch zu entschlüsseln hofft, was ihn letztlich zum Ursprung seiner Erinnerungen führt.

Der All-Age-Roman ist ein technoides Märchen, das sich mit Virtualität auseinandersetzt und die Frage aufwirft, was Erinnerungen sind und was sie bedeuten.
Nichts ist so, wie es scheint in der Geschichte und die Frage, was Realität ist, muss immer wieder neu überdacht werden.

Meinung:

Wenn sich ein Buch, das mich direkt zu Beginn viele Nerven gekostet hat, vom Status „Ich bin kurz davor es abzubrechen“ zu „Ich muss unbedingt wissen, wie es ausgeht“ entwickelt, dann spricht das wohl sehr für die Handlung. Genauso verhält es sich mit Kryonium. Die ersten 100 Seiten flossen irgendwie zäh daher, was nicht wirklich am Inhalt lag, sondern vielmehr an der Zusammensetzung des Ganzen.
Es wirkte auf mich wie hingewürfelt.
Ein Schloss, ein Ungeheuer, eine Hexe und multiple Herangehensweisen des Protagonisten, die irgendwie kaum einem roten Faden zu folgen schienen.
Die einzige Konstante währenddessen: Der Gedanke an eine Flucht.
Aber wieso, weshalb, warum - dass ich die Antworten auf diese Fragen nicht bekommen habe, hat mich extrem gestört.

Die Handlung dieses außergewöhnlichen Buches ist in drei Abschnitte unterteilt und jeder von ihnen ist miteinander verknüpft.
Allerdings erschließt sich das alles erst im Laufe der Seiten.
Es ist ein riesen großes Rätsel, ein Puzzle, wenn man mag, das unter anderem auch Bausteine des Computerwesens und Mathematik beinhaltet.
Letzteres hatte ich so nicht erwartet, auch wenn es Sinn macht.
Man braucht allerdings kein umfassendes Wissen, um die Handlung zu verstehen.
Der mathematische Part kommt erst gegen Ende zum Vorschein.

Ein weiterer Grund, warum ich nicht gut in das Buch reinkam, war die fehlende Verbindung zum Protagonisten. Denn der Protagonist erzählt zwar in der Ich-Perspektive von verschiedenen Welten, die man durchlebt, aber man erfährt nicht, wer er ist, ob er überhaupt ein er ist und warum er/sie da ist. Diese Unwissenheit gehört zum Buchkonzept, erlaubt aber auch keine großartige emotionale Verbindung.
Was wiederum den zerhackstückelten Einstieg unterstreicht.

Während ich also mit Part 1 der Geschichte zu kämpfen hatte und kurz davor war, das Buch wegzulegen, ging mir in Part 2 mit einem Knall ein Licht auf.
Und ab da gab es kein Halten mehr. Kryonium beschäftigt sich mit Erinnerungen.
Was das mit der Handlung zu tun hat, ist ein in sich verwobenes Labyrinth, ein Vorantasten, ein Rätselraten, das Suchen eines sicheren Weges in einem Meer aus Treibsand. Gemeinsam mit dem Ich-Erzähler, dessen Perspektive später auch noch wechselt - und auch das hat seinen Grund - erlebt man ein geniales Abenteuer, das sehr verwirrend beginnt und dessen Sog man sich, wenn man den Durchblick hat, nicht mehr entziehen kann.

Auch der Schreibstil des Autors verändert sich im Laufe der Handlung.
Zu Beginn findet man wenige technische Begriffe vor, es lässt sich leicht lesen und die Märchenwelt, in die man eintaucht, erledigt den Rest.
Doch je weiter der Roman fortschreitet, desto mehr drängt es sich in Richtung Zahlencodes, Technologie und menschliche Psyche. Das Zusammenspiel war für mich noch einigermaßen verständlich, andere könnten hier vielleicht Probleme bekommen.

Der letzte Punkt, nämlich Spannung und Setting, gehen fließend ineinander über.
Da man nicht weiß, wohin es den Erzähler als Nächstes verschlägt, wird automatisch Neugier geschürt und ich, als Leserin, brannte darauf zu erfahren, welche Welten noch betreten werden. Ich kann euch sagen: Es sind einige.
Macht euch gefasst auf Wüsten, Winterlandschaften, Stadtlärmalltag, verwinkelte Gassen und allumfassende Schwärze. Die Geschichte sieht nicht danach aus, aber die Handlung ist so facettenreich wie die Erinnerungen eines einzelnen Menschen.

Fazit:

Das Konzept dieser Geschichte ist wirklich sehr einzigartig und ich kann gut nachvollziehen, warum sie preisgekrönt ist.
Nichtsdestotrotz hatte ich meine Startschwierigkeiten und man muss sich auf die Handlung einlassen können, um von der Begeisterungswelle mitgerissen zu werden.
Kryonium ist facettenreich, mal komplex, mal einfach. Märchenelemente werden mit Technologie verwoben und kreuzen sich mit psychologischen Aspekten.
Das Buch hat von Spannung über wechselnde Perspektiven bis hin zu verwirrenden, aber irgendwie auch schönen Schauplätzen einiges zu bieten.
Nur an der emotionalen Verbindung mangelt es ein wenig.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

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