[Rezension]
Trügerisch

Februar 10, 2020


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Megan Miranda - Trügerisch

Genre: Thriller
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 29. November 2019
Verlag: Carlsen Verlag
Seitenanzahl: 368 Seiten

Ebook: 8,99 € ; Print: 13,00 €
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Inhalt:

Seit einem Monat ist Caleb tot. Alle geben Jessa die Schuld an dem Unfall.
Und Calebs Mutter verlangt, dass sie seine Sachen wegpackt.
Jessa hofft einfach, dass sie so endlich abschließen kann.
Doch als sie Calebs Zimmer ausräumt, fallen ihr Dinge in die Hände, die sie ins Grübeln bringen. Die alles infrage stellen, was sie von ihrem Exfreund zu wissen glaubte.
Caleb hatte Geheimnisse. Ihre gemeinsame Zeit – und sein Tod – rücken plötzlich in ein neues Licht. Jessa will die Wahrheit wissen. Unbedingt. Und auf eigene Gefahr …

Meinung:

Ein Karton voller Erinnerungen. Randvoll von der Person, die einmal gewesen ist.
Klamotten, Bücher, Schuhe, Trophäen.
Zettel, Papierkram, zerbrochenes Glas, ein Brillenetui.
Gestapelt in einem Karton, in einem Zimmer, das einem Geist gehört.

Megan Miranda weiß definitiv mit Worten umzugehen.
„Trügerisch“ war mein erstes Buch der Autorin und es hat mich etwas rat- und rastlos zurückgelassen. Denn es ist eine gute, packende Geschichte, aber es fehlt trotzdem irgendwie an Spannung.
Die Autorin übermittelt Emotionen, sie kamen an, aber ich fühlte sie nicht.
Nicht direkt zumindest. Es war ein großer Drahtseilakt.
Aber auch ein langatmiges Rätselraten.

Das Buch beginnt mit Calebs Zimmer. Caleb, der seit Ewigkeiten tot zu sein scheint, ein immer mehr verblassendes Bild, wie Jessamyn, seine Exfreundin feststellt.
Da die Geschichte in der Ich-Perspektive verfasst ist, hatte ich direkt zu Anfang eine Verbindung zu ihr. Ich habe ihre Trauer gefühlt, aber sie hat mich nicht erfasst.
Ich habe ihre Scham gespürt. Ihre Wut, aber nichts von all dem ging mir nahe.
Es war, als würden die Gefühle ungefiltert durch mich hindurchrasen und nichts hinterlassen, außer einem Hauch von Schatten.
Dabei hätte Jessas Verzweiflung eine richtig gute, herzzerreißende Story aus der Sache machen können. Leider war das Ganze mehr Schein als Sein.

Die Idee an sich ist nicht schlecht.
Jessas Aufräumaktion ist wie eine Reise in die Vergangenheit.
Man erlebt die Beziehung von Caleb und ihr - aber nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern durcheinander - erfährt Jessas Emotionen in dieser und jener Situation und kommt schlussendlich dem wahren Caleb auf die Schliche.
Dem, in den sich Jessa damals verliebte. Und der von der Flut mitgerissen wurde.
Ich glaube, der Grund, warum keine richtige Spannung aufkommen wollte, war, dass ich automatisch wusste, dass das nicht alles sein kann.
Hinzu kommt, dass die Haupthandlung, nämlich Jessa in Calebs Zimmer, immer wieder von eben jenen Erinnerungen unterbrochen wird, die zeitweise, durch die undurchsichtigen Emotionen, eben etwas langatmig waren.
Es gehört zur Geschichte dazu, um den passenden Eindruck zu vermitteln... aber es passte nicht in mein Bild des großen Rätsels.

Der Schreibstil der Autorin ist einfach zu lesen und doch gleichzeitig ein wenig poetisch angehaucht. Sie schreibt tiefgründig, hinterfragt, nutzt all die ihr gegebenen Mittel, um dem Leser zu vermitteln, dass man vor einem riesigen Fragezeichen steht.
Bis kurz vor dem Ende wusste ich nicht was Sache ist.
Wer hinter all dem steckt und was dieses „all das“ überhaupt ist.
An sich ist das ein guter Handlungsaufbau, doch ich glaube, wenn das in chronologischer Reihenfolge abgehandelt worden wäre und vielleicht in abwechselnden Kapiteln, dann wäre die Wirkung des Ganzen einprägender gewesen. So allerdings war die Atmosphäre zwar drückend und trauergeschwängert, aber gleichzeitig auch nicht greifbar.

Ich konnte zu Jessa eine Verbindung aufbauen, aber eine richtige Sympathie kam irgendwie nicht auf. Ich wusste nicht wirklich, was ich von den Charakteren halten soll.
Sie hatten Ecken und Kanten, waren jedoch nur ansatzweise tiefgründig. Ja, das ist alles sehr poetisch und hinterfragend verfasst, doch irgendwie schwingt überall ein „Aber“ mit, sodass schlussendlich auch die einigermaßen spannende Auflösung nicht mehr viel retten konnte.

Fazit:

„Trügerisch“ ist ein wortgewaltiger Thriller, dessen geladene Emotionen jedoch mit solcher Wucht auf den Leser abgefeuert werden, dass nur Schmauchspuren an den Fingern haften bleiben.
Die Autorin spielt mit Erinnerungen, die Protagonistin puzzelt und rätselt sich durch und am Ende ergibt sich ein überraschendes Bild.
Doch der Weg dorthin ist chaotisch und stellenweise langatmig, sodass ich zwar leicht berührt, aber nicht gut unterhalten wurde, was schade ist, da so viel Potenzial in dieser Geschichte steckt.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️💫 (3,5/5)

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