[Let‘s talk about]
Die Sache mit
der Aufschieberitis

Februar 29, 2020

Ich bin wütend. So verdammt wütend.
Weil ich Ungerechtigkeiten nicht ausstehen kann und ganz besonders nicht, wenn sie Leuten passieren, die mir am Herzen liegen.
Die in ihrer Arbeit aufgehen und mit Leidenschaft bei der Sache sind.
Da ich allerdings nicht über das konkrete Problem sprechen kann, muss ich meinem Ärger irgendwie anders Luft machen. Und deshalb möchte ich mit euch jetzt über ein Thema diskutieren, das dem sehr nahe kommt.


Die Sache mit der Aufschieberitis


Zuallererst klären wir mal den Begriff der Prokrastination.
Wikipedia sagt dazu:

Prokrastination (lateinisch procrastinare „vertagen“; Zusammensetzung aus pro „für“ und crastinum „Morgen“), auch „extremes Aufschieben“, ist eine pathologische Störung, die durch ein unnötiges Vertagen des Beginns oder durch Unterbrechen von Aufgaben gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen nicht oder nur unter Druck zustande kommt.
Das Gegenteil der Prokrastination ist die Präkrastination.


Ich, für meinen Teil, bin Königin im prokrastinieren. Etwas, worauf man natürlich nicht stolz sein sollte, womit ich jedoch kein Problem habe, es offen zuzugeben.
Denn dadurch habe ich gelernt, dass ich unter Druck doch einigermaßen gut funktioniere. Klar, ich ziehe nicht jede Aufgabe bis kurz vor Schluss und manchmal komme ich einfach nicht hinterher, aber gut und gerne 80% meiner - von mir selbst auferlegten - Aufgaben erledige ich nicht direkt.
Zumindest was den Blog angeht. Im Haushalt sind das vielleicht ca 50%, aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema. Wichtig ist für mich im Endeffekt nur, dass ich die Aufgaben erledige und mich nicht verspäte oder irgendetwas nicht einhalten kann.
Sollte das doch mal der Fall sein - wie zum Beispiel gut und gerne bei den LBM/FBM Berichten - dann muss ich zu meiner Faulheit und Unmotiviertheit stehen.
Es ist mein Fehler, auch wenn andere - drastisch ausgedrückt - darunter zu leiden haben, weil sie eben nicht an meinen großartigen Erlebnissen teilhaben können.
Ich muss damit klarkommen, dass manche danach sagen, dass ich unzuverlässig bin. Oder faul (was auch stimmt 😅). Oder... keine Ahnung was für Schlüsse man daraus ziehen mag. ABER und hier unterscheide ich mich, denke ich, von einigen, ich prokrastiniere nur, was ich mir selbst auferlegt habe.
Ich ziehe keine anderen Leute mit runter. Weil ich weiß, wie ein Team funktioniert.
Wenn ich versage, versagt die ganze Gruppe. So einfach ist das.


Das ist wie in der Schule. Wenn man in Gruppenarbeit etwas zusammenstellen musste. Ja, ich bin Einzelgängerin und ja, oft habe ich die ganze Scheiße alleine gemacht und musste erst lernen, wie man als Team funktioniert.
Aber mittlerweile weiß ich das. Weil es mir der gesunde Menschenverstand sagt.
Egal welche Probleme du hast, es sei denn du bist todkrank, du kannst deinen Teil zu der Arbeit beitragen und sei der noch so klein.
Jeder kann immer irgendwas tun. Protokoll schreiben. Malen. Skizzieren. Notizen ordnen. Kaffee holen. Was weiß ich. Was man aber nicht tun sollte, ist untätig herumsitzen. Dinge versprechen und sie nicht halten.
Sagen, man recherchiert dies und das Zuhause und die anderen müssen frühmorgens vor der Stunde deinen Arsch retten, weil man nichts gemacht hat.
DAS IST DAS GEGENTEIL VON TEAM.

Und genau diese Menschen, die nichts tun und dann die Lorbeeren der anderen mit abstauben, diese, Verzeihung, Heuchler, die warum auch immer, immer wieder Gründe finden um NICHTS zu tun, aber auch nicht im Stande sind, das zuzugeben... bei diesen Menschen kommt mir das Kotzen.
Wenn ich weiß, dass ich massive Probleme habe Dinge anzufangen, geschweige denn zu beenden, dann fange ich doch gar nicht erst an, oder?
Nichts von wegen: Der Weg ist das Ziel. Oder: Der gute Wille zählt.
Hausgemachter Bullshit! Wenn du dich kennst und du weißt, dass dir eine Sache über den Kopf zu wachsen droht... dann sei doch bitte ehrlich zu dir selbst und anderen und gib zu, dass du es nicht schaffst.

Die Sache mit der Gruppenarbeit und Prokrastination ist die, dass man nicht nur sich selbst enttäuscht, sondern auch andere. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich versuche das tunlichst zu vermeiden.
Wenn ich mich enttäusche, meinen Ansprüchen an mich selbst nicht gerecht werde, ist das weit weniger schlimm als wenn ich andere enttäusche. Bloggen ist ein Hobby, meine Leidenschaft und ich finde, ich kann es gestalten wie ich möchte.
Aber im Laufe der Jahre entwickeln meine Follower natürlich Erwartungen.
Wenn ich die mal nicht erfüllen kann, okay. Schwamm drüber.
Ich habe nebenher noch ein Leben, mache Fehler, aber ich stehe dazu.

Wenn ich als Blogger also Beiträge ankündige, die nicht kommen, bricht mir das jedes Mal das Herz. Auf professioneller Ebene mit Autoren und Verlagen ist das ein ganz anderes Thema, bei dem ich nicht prokrastiniere, weil ich nicht unprofessionell sein will. Auch hier wieder: Mein Anspruch an mich selbst.
Wenn ich jedoch als Autor ein Buch ankündige - als Beispiel im Selfpublishing - und es kommt auch nach dem gesetzten Termin Ewigkeiten nichts, dann finde ich das wirklich bedenklich. Privates Hin oder her.
Auf einer Skala von 1 bis 10 rangiert dieses Verhalten bei mir auf der 4, wobei 10 absolut okay wäre. Selbst mit guten Gründen.

Wenn ich aber im Team arbeite, was bei Autoren ja auch manchmal vorkommt und anstatt einem haben zwei Leute den Lesern etwas versprochen und dann kommt nur von einem was.... dann fallen die Negativreaktionen automatisch auf denjenigen zurück, der aktiv ist. Selbst wenn derjenige alles für das Projekt getan hat und demjenigen eigentlich, um es mal drastisch auszudrücken, Ruhm und Ehre gebührt.
Und wo dieses Verhalten bei mir rangiert... muss ich das wirklich nochmal sagen?
Nun gut. Unter 0. UNTER NULL.

Ich finde ehrlich gesagt keine netten Worte, um zu beschreiben, wie sehr mich sowas anpisst. Engstirnigkeit. Bockigkeit. Kindisches Verhalten als erwachsener Mensch. Wenn man dem eigenen Versagen nicht ins Gesicht sehen kann, sondern sich lieber mit dem Face zur Wand dreht und die Ohren verschließt.
Dann hört und sieht man auch nicht die Buhrufe des Publikums.
Weil die gelten ja nicht einem selbst, sondern dem Team.
Stehen ja zwei oder vielleicht sogar drei Namen auf dem Buch.
Die purste Form von Prokrastination. Nichts sagen, nichts hören, nichts sehen.
Und alles andere ignorieren.

Das wäre natürlich jetzt nur einer von mehreren Extremfällen.
Prokrastination ist etwas, das für mich auf die Hobbyebene gehört - aber nicht in ein Team. Es sei denn, das ganze Team prokrastiniert. Aus Faulheit oder warum auch immer. Und das aber auch nur, wenn es nicht auf einer professionellen Ebene agieren muss. Wenn Deadlines eingehalten werden müssen oder eine Zusammenarbeit mit einem anderen Team ansteht.
Aufschieberitis ist eine Volkskrankheit - solange sie allerdings nur dir selbst und keinem anderen schadet ist alles im Rahmen.
Ob nun Blogger oder Autor - versprich nichts, was du nicht halten kannst - das hat mir damals schon meine Mama beigebracht. Und falls man doch mal etwas verspricht und das nicht halten kann - hab Eier in der Hose. Egal ob Mann oder Frau.
Hab Eier und steh dazu, verdammt noch mal.
—————————————————————————————————————————————

Wie denkt ihr über die Sache?
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben oder doch ganz klare Grenzen ziehen?
Gelten für Blogger andere Regeln bei Prokrastination als bei Autoren?
Ab wie viel Aufschub muss man aufgeben und sich sein Versagen eingestehen?
Wo zieht ihr die persönliche Grenze?
Tell me. <3

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4 Kommentare

  1. Wow okay... Ich reiche Dir erstenmal einen Beruhigungstee....
    Ich schiebe auch oft und gern etwas vor mir her, aber nicht wenn ich in einem Team bin.... Denn man hat eine gewisse Verantwortung den anderen Mitgliedern gegenüber... Punkt.... Mehr gibt es nicht zu sagen, ausser : wenn ich nicht gerade verdammt gute Gründe habe das Team nicht voll zu unterstützen, habe ich die Pflicht voll dabei zu sein und niemanden hängen zu lassen

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    1. Danke. Nora. 🙈
      Ungerechtigkeit ist das Eine. Uneinsichtigkeit das andere. Beides zusammen bringt mich leider auch mal zum Platzen. 🙄 Und ja, verdammt gute Gründe sind wichtig. Ein einfaches „irgendwann“ reicht da nicht. „Irgendwann mach ich das.“ „Du verstehst mich ja eh nicht...“ blablabla. Kotz Würg.

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  2. Ahoi Micky,

    es scheint ja einen konkreten Auslöser gegeben zu haben - auch wenn ich nicht weiß, welcher, kann ich dir größtenteils nur zustimmen. Eigene Ineffizienz/Faulheit/Aufschieberitis - eigenes Problem. Im Team - no go! Ob in der Schule, Arbeit oder sonst wo; andere lässt man nicht hängen.

    Liebe Grüße
    Ronja von oceanloveR

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    1. Liebe Ronja,

      Da hast du meinen Ausraster echt schön zusammengefasst 😅😂
      Danke!

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