[Rezension]
You Are Not Safe Here

Januar 24, 2020


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Kyrie McCauley - You Are Not Safe Here

Genre: Drama
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 24. Januar 2020
Verlag: Dtv Verlagsgesellschaft
Seitenanzahl: 400 Seiten

Ebook: 12,99 € ; Print: 14,95 €
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Inhalt:

Tausende Krähen belagern die Kleinstadt Auburn, Pennsylvania, und es werden immer mehr. Alle Einwohner empfinden dies als Bedrohung – alle außer der 17-jährigen Leighton und ihren beiden jüngeren Schwestern.
Denn die größte Gefahr lebt in ihrem Zuhause:
ihr Vater, der immer wieder gewalttätig wird – und ihre Mutter, die schweigt und ihn nicht verlässt. Und die Nachbarn, die konsequent wegschauen.
Leighton würde nichts lieber tun, als der Stadt den Rücken zu kehren, aber sie kann und will ihre Schwestern nicht zurücklassen.
Denn eins ist klar: Irgendwann wird die Situation eskalieren...

Meinung:

Kennt ihr das Gefühl, wenn eine Geschichte beeindruckt und dich gleichzeitig leer zurücklässt? Wenn sie aufrüttelt und durchschüttelt und trotzdem irgendwie ruhig wirkt? Wenn sie in der Vergangenheit wühlt und die Zukunft gefährdet?
Wenn die Geschichte vulkanische Züge annimmt?
Brodelnd, blubbernd, zischend. Hier und da heiße Tropfen auf dem Stein verteilend.
Und zwischendurch kommt immer mal wieder jemand, der löscht.
Rote Masse in schwarze verwandelnd, aber ganz und gar erstarren lassen kann man sie nicht. Sie bricht immer wieder durch. Lodernd. Gefährlich.
Atemverpestend. Unsichtbar. Präzise.

„You are not safe here“ ist so ein schlafender Vulkan. Innerlich aktiv.
Angsteinflößend. Weil man nicht weiß, wann der unausweichliche, große Knall folgt.
Wann die Explosion Wände niederreißt und mit der flüssigen Wut alles verschlingt, was sich ihr in den Weg stellt. Während des Lesens fühlt man.
Man spürt. Man sieht und fragt sich, wie alle anderen nicht sehen können.
Es gibt keine äußeren Hinweise auf die Gewalt, die Leighton und ihre Schwestern und Mutter erleben. Nichts. Nur die ewige Angst, die in ihnen wohnt und wütet.

„All die Worte, die ich nicht sage. Stattdessen schlucke ich sie herunter und die Buchstaben sind spitz an den Ecken und scharf an den Kanten.
Es schmerzt, wenn ich sie runterschlucke.
Und sie bleiben in mir und machen mir Bauchschmerzen.
Manchmal denke ich, wenn man mich aufschneiden würde,
wären all die Worte tatsächlich sichtbar.
Wie bei einem Wal, der zu viel Müll gefressen hat,
bis der Körper nur noch eine Zeitkapsel ist für all das, was Menschen wegwerfen.“

(Seite 212)

„You Are Not Safe Here“ ist ein emotionales, sehr poetisches und irgendwie auch leicht magisches Debüt.
Der Stil der Autorin ist kraftvoll, obwohl handlungsmäßig gesehen nicht viel passiert.
Die gewählten Worte sind unheimlich wirkungsvoll, die teilweise kurzen, teilweise längeren Kapitel bringen ein wenig Abwechslung mit sich, sodass die drückende Stimmung, die über all dem liegt, etwas abgemildert wird.
Am meisten Eindruck macht jedoch die ausgesuchte Ich-Perspektive.
Leighton Barnes erzählt ungeschönt, aber doch irgendwie metaphorisch - angeblümt - aus ihrem Leben als große Schwester. Als Beschützerin.
Mutterersatz, weil die eigene Mutter im selbst gebauten Gefängis sitzt.

Ich kann dieses Buch nichtmal einem Genre zuordnen. Am ehesten würde ich Drama sagen. Es ist als würde ich in einer Art Tagebuch lesen.
Es gibt eine Liebesgeschichte. Ein wenig Hoffnung an dunklen Tagen.
Aber die meiste Zeit wartet der Leser auf die gewaltige Explosion, die Vorankündigung der Krähen, die Leightons Heimatstadt Auburn befallen haben.
Es hat also ebenfalls Thrillerelemente. Eine greifbare Spannung.
Einen sichtbaren und unsichtbaren Feind. Und auch ein gewisses Maß an Fantasie hilft dieses sensible Thema „häusliche Gewalt“ zu verarbeiten.

Leightons Geschichte ist traurig, aber allgegenwärtig.
Die Charaktere allesamt tiefgründig. Manche sympathisch, andere nicht.
Und mit den Krähen hat die Autorin ein sehr bedeutungsschweres Symbol ausgewählt.
Die Mythen und Legenden rund um diese Wesen sind frei interpretierbar und das birgt so viele Möglichkeiten. So viele Wege, sowohl offen als auch versperrt.
Freiheit gegen Wut. Angst gegen Schicksal. Hoffnung gegen Einschüchterung.
Was wird am Ende gewinnen?

Fazit:

Dieses Debüt ist machtvoll. Einnehmend. Intensiv. Fesselnd - ganz ohne große Spannungshöhepunkte. Denn die Angst begleitet einen beim Lesen.
Das Gefühl, dass jeder Schritt nach Hause ein Schritt in Richtung Abgrund ist, nichtsahnend, dass dort unten ein Sicherheitsnetz sein könnte.
Ungewissheit und Zukunftsängste gehen Hand in Hand.
Ich bin beeindruckt von diesem Genremix. Von den Emotionen, die die Autorin verarbeitet hat. Beeindruckt von der Einbindung der Krähen.
Enttäuscht von der Stadt, in der Leighton lebt.
Aber umso glücklicher über den Fokus, der dadurch auf dieses hochsensible Thema gelegt wird. Dieses Buch ist besonders. Ausdrucksstark.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

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