[Rezension]
Wir sehen alles

Januar 12, 2020


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William Sutcliffe - Wir sehen alles

Genre: Dystopie
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 19. November 2019
Verlag: Rowohlt Verlag
Seitenanzahl: 288 Seiten

Ebook: 9,99 € ; Print: 15,00 €
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Inhalt:

Alan ist passionierter Gamer. Sein Talent im Computerspielen hat ihm den Job seiner Träume eingebracht: Auf einer Militärbasis an einem geheimen Ort wird er als Drohnenpilot ausgebildet.

Lex lebt im Streifen – im übervölkerten, von Bomben zerstörten und abgeriegelten Außenbezirk Londons. An die wachsamen, feindlichen Drohnen, die in der Luft über ihm sirren, hat Lex sich längst gewöhnt ...

Diese beiden jungen Männer werden sich nie treffen, doch ihre Leben werden sich auf dramatische Weise kreuzen:
Weil Alan gerade ein hochrangiges Ziel zum Abschuss zugewiesen wurde.
Für Alan ist es #K622. Doch für Lex ist es sein Vater ...

Meinung:

„Wir sehen alles“ ist irgendwie ein trostloses Buch.
Es sind zwei Geschichten in eins, zwei Handlungen, die parallel ablaufen.
Zwei Jugendliche, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnten und die doch beide nach einem Sinn für ihr Dasein suchen. Nach einem Sinn in einer zerbombten Stadt.
In einer Quarantänezone für die es keine Erklärungen gibt.
Die Geschichte von Lex und Alan fühlt sich traurig an. Tragisch. Hoffnungslos.

London, irgendwann in naher Zukunft.
Das Setting: Eine zerklüftete Stadt ohne Grün, ohne viel Leben, in ständiger Überwachung von Drohnen, die den Luftraum füllen wie sirrende Bienenschwärme.
Dies‘ ist ohne Frage eine glasklare Dystopie. Die Atmosphäre ist grau und trist.
Und obwohl die Ich-Perspektive der beiden Jungs die Gefühlswelt des Ganzen etwas aufgepeppt hat, komme ich nicht umhin zu sagen, dass die Schwere vom Krieg und der ewige Kampf ums Überleben, beim Lesen schon stark aufs Gemüt gedrückt haben.
Es fühlte sich an, als würde man in diesem apokalyptischen London niemals glücklich werden können.

Lex jedoch muss dort leben. Und irgendwie seinen Weg bestreiten.
Er geht zur Schule. Isst. Schläft. Kümmert sich um seine Familie.
Bis er eines Tages in die Geschäfte seines Vaters verwickelt wird.
Zeitgleich arbeitet Alan daran das Leben von Lex Vater zu überwachen.
Er ist seine Zielperson. Sein Auftrag. Seine Karriereleiter nach ganz oben.
Denn Alan ist Drohnenpilot. Alan hat keine Freunde, nur Kameraden und eine Mutter, die hasst, was er tut.

Ich weiß nicht, was genau ich erwartet habe, aber ganz sicher nicht das.
Auf der einen Seite bin ich beeindruckt. Beeindruckt von der Authentizität dieser Darstellung, die, wie wir wissen, bereits Realität ist.
Zumindest wenn man dem Fernsehen und bewaffneten Drohneneinsätzen Glauben schenken darf. Und auf der anderen Seite habe ich mir irgendwie mehr erhofft.
Natürlich weiß ich, aufgrund oben genannter Authentizität, dass man in solchen Situationen nicht wirklich viel Hoffnung hat und dass die Emotionen der Protagonisten, ihre Gedanken und Handlungen fast ausschließlich das widerspiegeln, was auch sein würde. Allerdings fehlte es mir überall an Informationen.

Warum wurde London abgeriegelt? Wieso wurde es zerbombt?
Warum behandelte man den „Corps“ wie Terroristen?
Der Autor legt einen sehr vernünftigen Schreibstil an den Tag, weder zu verspielt noch zu hochgestochen, sondern genau richtig für eine solche Szenerie.
Doch mit Informationen hält er sich bedeckt. Weder bei Alan noch Lex sickert Genaueres durch. Vermutlich gewollt. Aber mir als Leser wirkte das zu unausgereift.
Vielleicht hätte man die Geschichte unter realen Gesichtspunkten verkaufen sollen.
Dann wäre sie nämlich grandios gewesen.

Es wird abwechselnd aus Lex und Alans Sicht erzählt, aber ein richtiges Zeitgefühl wollte bei mir nicht aufkommen. Die Stunden und Tage verstreichen ohne Übergang und auch danach vergehen Wochen, Monate, Jahre ohne einen klaren Cut dazwischen.
Man hat zwar irgendwo ein Ziel vor Augen - mit unbekanntem Ausgang, doch die Charaktere bleiben trotz emotionaler Nähe undurchschaubar.
Da hilft selbst die angedeutet Spannung durch die permanente Überwachung nicht viel.

Fazit:

Dieses Buch ist der Inbegriff einer apokalyptischen, nahezu hoffnungslosen Dystopie und zwar aus der Sicht eines Quarantäneinsassen, obwohl man auch die Seite des Militärs zu sehen bekommt. Der Autor spielt hier mit der Unwissenheit der Leser, zwingt sie in die Rolle eines Beobachters und will zeitgleich ein Gefühl von Nähe vermitteln.
Dass das zusammen nicht ganz klappt wird erst zum Ende hin klar. Realistisch betrachtet ist diese Geschichte unheimlich authentisch, doch die Trostlosigkeit, die über London hängt wie Smognebel, saugt fast jegliche Spannung auf und die fehlenden Hintergrundinfos schlagen eine Schneise in meine anfängliche Begeisterung - trotz ein paar angehauchten Liebeleien.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️ (3/5)

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