[Rezension]
Die stumme Patientin

August 25, 2019

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!*

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Alex Michaelides - Die stumme Patientin

Genre: Thriller
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 02. Mai 2019
Verlag: Verlagsgruppe Droemer Knaur
Seitenanzahl: 384 Seiten

Ebook: 12,99 € ; Print: 14,99 €
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Inhalt:

Blutüberströmt hat man die Malerin Alicia Berenson neben ihrem geliebten Ehemann gefunden – dem sie fünf Mal in den Kopf geschossen hat.
Seit sieben Jahren sitzt die Malerin nun in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt.
Und schweigt. Kein Wort hat sie seit der Nacht des Mordes verloren, lediglich ein Bild gemalt:
Es zeigt sie selbst als Alkestis, die in der griechischen Mythologie ihr Leben gibt, um ihren Mann vor dem Tod zu bewahren. Fasziniert von ihrem Fall, setzt der forensische Psychiater Theo Faber alles daran, Alicia zum Sprechen zu bringen.
Doch will der Psychiater wirklich nur herausfinden, was in jener Nacht geschehen ist?

Meinung:

Ich versuche dir zu helfen, mir dabei zu helfen, deine Gefühle auf mich zu projizieren, damit du mir dabei helfen kannst mich zu verstehen. Die stumme Patientin ist das psychologische Endspiel.
Der Endgegner bei einem Videospiel. So komplex in seiner Struktur, dass jeder Schritt, jedes Wort, jede Tat gut überlegt sein will, damit er zum Schluss auch besiegt werden kann.

Ich hatte hohe Erwartungen an diese Geschichte.
Was vermutlich daran lag, dass sie alle in den Himmel loben.
„Der perfekte Thriller“ steht auf der Rückseite. Und in gewisser Weise stimmt das auch.
Dennoch konnte er mich nicht gänzlich überzeugen.
Obwohl die Handlung an sich wirklich perfide ist.

Alicia Berenson ist Malerin mit Leib und Seele. Fotorealistische Darstellungen sind ihr Spezialgebiet. Allerdings nur so lange, bis sie eines Tages aus heiterem Himmel ihren Ehemann erschießt, verstummt und in eine psychiatrische Anstalt überwiesen wird. Der Fall scheint glasklar.
Für die Presse, die Öffentlichkeit, die Polizei und den Rest ihrer Familie.
Nur Theo Faber scheint sich dessen nicht ganz sicher und er setzt alles daran, um zu Alicia durchzudringen. Ihre Geschichte fasziniert ihn, hebt Psychoanalyse auf eine absolut neue Ebene.
Ich kenne mich damit nicht genug aus, um das in Gänze zu verstehen, doch die Grundzüge ihres Schweigens standen laut und deutlich im Raum.
Wut, Verzweiflung, Trauer, Hoffnungslosigkeit.
Auch noch nach all den Jahren.

Zu Beginn war ich wirklich sehr begeistert von der Geschichte.
Die meiste Zeit über wird sie aus der Sicht von Theo Faber erzählt, dem Psychiater, der sich an das Projekt „Alicia“ wagt. Er berichtet von dem Mord, von der Presse und ein wenig aus seinem Leben, sowie später etwas von den Therapiesitzungen und Lösungsmöglichkeiten, um Alicia wieder zum Reden zu bringen. Aufgeteilt ist das Buch in fünf Teile, die vermutlich die Akte eines Theaterstückes darstellen sollen - aber das sind nur Mutmaßungen.
Die Kapitel sind relativ kurz gehalten, was ich bei Thrillern ja oftmals begrüße, da so die Spannung nicht verloren geht. Ich rätselte während der gesamten Handlung.
Ist Alicia schuldig? Unschuldig? Und wenn ja, warum schweigt sie?
Fragen, auf die Theo eine Antwort finden will.

Ich fühlte mich ihm auf eine gewisse Art und Weise verbunden.
Nicht emotional gesehen, aber ich konnte mich gut in seine Seele einfühlen, seine Vergangenheit nachvollziehen, seine Gefühle zuordnen.
Nur seine Handlungen haben mich mit fortschreitender Seitenzahl verwirrt.
Was vermutlich auch der Punkt ist, warum ich nicht zu 100% begeistert bin.
Als Haupterzähler war er sympathisch, die kleinen Einblicke in sein Leben machten ihn authentisch, doch eine emotionale Verbindung kam nicht zustande.
Nichtsdestotrotz hat es diese Geschichte in sich.
Die Tagebucheinträge von Alicia bringen zusätzlich Schwung in den Verlauf, sodass man fast permanent unter Strom steht. Weil man die Wahrheit wissen will. Kennen muss.
Doch die einzige Zeugin schweigt.

Fazit:

„Die stumme Patientin“ agiert auf einer psychischen Ebene, mit denen normale Menschen vermutlich Veständnisprobleme hätten, wenn der Autor sie nicht geschickt einbinden und erläutern würde.
Ich hatte zwar immer das Gefühl, der Stil sei ein wenig hochgestochen - doch die Bildhaftigkeit der Story belehrte mich eines Besseren.
Die Charaktere sind wie Geschenke, allesamt doppelt und dreifach verpackt, sodass der Leser sie erst entblättern muss und dadurch eine ganz eigene Spannung entwickelt wird.
Dieser Thriller ist insofern perfekt, dass er bei mir mit Unperfektheit glänzt, mich mit Plottwists überraschte, verwirrte, mein Denken anregte und mich schlussendlich leicht frustriert zurück ließ.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️💫 (4,5/5) ⬆️
(5 Sterne auf den gängigen Portalen)

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