[Rezension]
Becoming Elektra
(Sie bestimmen, wer du bist)

Juli 16, 2019

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!*

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Christian Handel - Becoming Elektra
(Sie bestimmen, wer du bist)

Genre: Dystopie
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 12. Juli 2019
Verlag: Ueberreuter Verlag
Seitenanzahl: 384 Seiten

Ebook: 14,99 € ; Print: 17,95 €
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Inhalt:

Wenn dein Leben eine Lüge ist ...

Als die junge und schöne Elektra Hamilton bei einem Reitunfall ums Leben kommt, erhält Isabel ein unerwartetes Angebot.
Sie, die Elektra wie aus dem Gesicht geschnitten ist, soll deren Platz einnehmen.
Sie muss lediglich für immer verschweigen, wer sie wirklich ist.
Ein Leben in Luxus winkt ihr - und die Verlobung mit dem attraktiven Phillip von Halmen.
Zunächst scheint keiner Verdacht zu schöpfen.
Doch Elektra hatte eigene Geheimnisse und während diese sie langsam einholen, wächst in Isabel die Gewissheit, dass Elektras Tod kein Unfall war.
Wer trachtete Elektra nach dem Leben? Und wird der Mörder erneut zuschlagen?
Isabel weiß nur, dass sie keinem trauen kann ...

Meinung:

Wir schreiben das Jahr 2083.
Irgendwo auf der hochtechnologisierten Welt, in der es schon Normalität ist, die Natur zu schützen und seine Ressourcen anderweitig zu verplanen.
Stell dir vor du wirst krank. Sterbenskrank. In der heutigen Zeit kommt man vermutlich auf ellenlange Spenderlisten, für die Hälfte der Patienten gibt es kaum Hoffnungen, dass man rechtzeitig neue Organe bekommt. Nicht so in Isabels und Elektras Zukunft.
Hier werden menschliche Ersatzteillager für die oberen Zehntausend gezüchtet und in ein Institut gesteckt, das wie ein Auffangbehälter fungiert.
Stell dir also vor, du lebst in dieser Welt - aber es gibt eins, zwei, drei oder unendlich viele Kopien von dir. Eingepfercht und weggeschlossen. Du lebst dein Leben im Luxus und sie haben kein Leben.
Zumindest nicht solange das Original noch lebt.

Zunächst einmal:
Applaus, Applaus an den ersten männlichen Autor, der mich im Bereich Dystopie begeistern konnte.
Wobei ich die Geschichte von Isabel eher als Mix aus verschiedenen Genres betrachte. Die Welt, die der werte Herr hier erschaffen hat, ist keinesfalls normal. Es ist eine mögliche Zukunftsversion.
Mit schwebenden Taxis, traumhaften Restaurants, Holoscreens, VitalScans und Technobots für niedere Haushaltsarbeiten. Ich liebe solch visionäre Umgebungen. Das versetzt mich glatt in Traumzustände, auch wenn ich mir natürlich nicht alle technischen Spielereien wünsche, die bei „Becoming Elektra“ aufgezählt werden.

Von meinen Träumen mal abgesehen, gefiel mir die Protagonistin wahnsinnig gut.
Isabel erzählt aus ihrer Sicht, wie sie sich in ein Konstrukt aus Politik, Lügen, Machtspielchen und Mord hat verwickeln lassen. Zuerst dachte ich, dass sie intrigant ist und sich darauf freut den Platz von ihrem Original Elektra einzunehmen. Aber bereits nach den ersten Worten wurde mir klar, dass es zwar eine Erleichterung wird, aus dem Institut zu entkommen, aber keinesfalls angenehm.
Familie Hamilton ist nämlich alles andere als leicht zu ertragen.
Doch ich finde, dass Isabel sich ganz gut macht.

Über die gesamte Handlung hinweg war ich angespannt. Aufgeregt.
Überrascht und ja, auch entsetzt ob der Skrupellosigkeit gewisser Personen.
Ich habe mitgefühlt und gelitten und mir den Kopf darüber zerbrochen, wer Unruhe in den Kreisen der Hamiltons stiften könnte. Priamos, Egoist und Sturkopf sondergleichen? Seine Frau Sabine?
Der Stallbursche oder das Dienstmädchen? Die gefühlskalte Tante oder der berechnende Onkel? Existiert ein politisches Interesse? Ein geschäftliches?
Man muss so viele Faktoren mit einbeziehen, dass ich nie wirklich sicher sein konnte und das hätte ich eigentlich nicht erwartet. Umso mehr gefreut hat es mich also, dass ich bei diesem Gentech-Verlobungs-Familienchaos meinen Kopf anstrengen durfte.
Und mehr als einmal in die Irre geführt wurde.

Auch die emotionale Seite kommt hier nicht zu kurz.
Philip von Halmen (bei dem ich immer von Hameln gelesen habe...) klingt nur dem Namen nach hochgestochen. Er ist jetzt kein Badboy-Partyprinz oder das krasse Gegenteil davon, sondern ein ganz normaler Typ. Nur halt mit Geld und einer Vorliebe für Außergewöhnliches.
Alles andere müsst ihr selbst herausfinden.

Fazit:

Bei „Becoming Elektra“ stimmt eigentlich fast alles.
Die Charaktere sind authentisch mit genügend Tiefe, um ihnen ihr Handeln auf jeder Ebene abzukaufen. Das Setting, das der Autor erschaffen hat ist phänomenal. Teilweise wäre ich echt gern dort gewesen. Die Atmosphäre schwankt von drückend zu bedrohlich zu kurios und liebevoll.
Ein dystopisches Zukunftsszenario, das durch Thrillerelemente hin und wieder Adrenalinspritzen bekommt. Fesselnd, berauschend und erschreckend zugleich.
Zusammengefasst: „Becoming Elektra“ ist ein riesiges Überraschungsei.
Jetzt bräuchte es nur noch eine Fortsetzung.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

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