[Abbruchrezension]
Das Buch der
vergessenen Artisten

November 25, 2018

Vielen Dank an das Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!*

Infos zum Buch / Werbung!

Vera Buck - Das Buch der vergessenen Artisten

Genre: Roman
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 10. September 2018
Verlag: Limes Verlag
Seitenanzahl: 752 Seiten
Ebook: 17,99 € ; Print: 22,00 €
Hier kaufen: Amazon / Verlag


Inhalt:

Die größten Geschichten beginnen an den ungewöhnlichsten Orten ...

Deutschland, 1902.
Mathis, der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, hat im Leben nicht viel zu lachen.
Nur wenn der Jahrmarkt ins Dorf kommt, erhält er inmitten der bunten Buden, exotischen Menschen und technischen Neuheiten einen Einblick in die große, weite Welt jenseits der Hügel, die den Ort umgeben. Bis er mit fünfzehn beschließt, mit den Schaustellern davonzulaufen.
Nach über dreißig Jahren als Röntgenkünstler lebt Mathis mit seiner Partnerin, der Kraftfrau Meta, in einer Wohnwagensiedlung am Rande Berlins.

Es sind düstere Zeiten für die Artisten: Auftrittsverbote werden verhängt, Bühnen dichtgemacht.
Doch in geheimen Clubs und Künstlertreffs lebt die Vergangenheit weiter.
Genau wie in dem Buch, an dem Mathis schreibt - einem Buch, das Geheimnisse birgt und unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten darf.

Meinung:

Das Buch der vergessenen Artisten zog mich nicht nur wegen dem Titel magisch an.
Ich wollte seit langer Zeit mal wieder ein bisschen in der Vergangenheit schwelgen.
Natürlich habe ich da nicht auf die Seitenzahl geguckt und war umso überraschter als mich dann ein ganz schön dicker Wälzer erreichte. Aber man soll ja ein Buch nicht nach Umfang oder Umschlag beurteilen und so ging’s los.

Aufgeteilt ist es in zwei Zeitschienen. Die erste Erzählung startet 1902 in einem kleinen Dorf in Deutschland, genannt Langweiler (kein Witz).
Der fünfzehnjährigen Mathis, ein schmächtiger Bursche mit 12 Brüdern, Sohn eines Bohnenbauern ist mit seinen Freunden auf dem Jahrmarkt unterwegs.
Kopfmäßig muss man sich jetzt in die Zeit um 1902 hineinversetzen, was mir schon sehr schwer fiel, denn wie schon erwähnt lese ich sowas eher selten.
Aber die kindliche, wenn auch schüchterne Begeisterung, die Mathis für den Durchleuchtungsapparat und die elektronische Berg- und Talbahn aufbrachte, war schon irgendwie ansteckend.
Hinzu kam, dass er durch sein etwas lahmes Bein und seinen wachen Verstand anders war als die üblichen Jungs, die alle nur auf Prügel, Mädchen und „Wer ist der Beste, Stärkste, Schnellste?“ aus waren. Und so schloss ich den jungen Mathis super schnell ins Herz und wollte erfahren, wohin ihn die Reise führt.

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, hätte ich es tatsächlich besser gefunden, hätte mich die Geschichte von 1902 an durch die Jahre geführt und wäre nicht von 1902 zu 1935 gesprungen, dem Jahr in dem Mathis schon mit Meta zusammen am Rand einer Wohnwagensiedlung in Berlin lebte.
Meta, ihres Zeichens Kraftfrau, lernte Mathis früh in Zürich kennen, wenn ich mich recht entsinne und hier liegt auch schon wieder einer der Punkte, die mich schlussendlich zum Abbruch geführt haben.
1934 war Hitler schon an der Macht, seine Nazis haben mehr oder weniger das Land geflutet und dementsprechend wurden Hetzjagdten auf alle Andersdenkenden durchgeführt, zu denen auch die Artistentruppe von Meta und Mathis gehörten. Soweit alles super authentisch, der Flair, der Flow, der Hass - aufgelockert durch einige humoristische Szenen, die mit rhetorischen Fragen das trockene Thema auflockern sollten.

Schlug nicht ganz so gut bei mir an, irgendwie.
Der Schreibstil war weitestgehend verständlich und auch die eingesetzten Akzente wie Berlinerisch oder Bayrisch fand ich super. Beim Lesen musste man sich da ein wenig anstrengend, aber das verlieh dem Ganzen noch mehr Authentizität. Zudem fallen im Laufe der Handlung einige Namen, die sogar mir bekannt sind. Kurt Tucholsky, Claire Waldoff, Franz Kafka, Marlene Dietrich, Marie Curie - bekannte geschichtliche Persönlichkeiten, auch wenn ich nun nicht alle genau zuordnen konnte.
Allerdings sagt der Titel ja auch, dass es um die Vergessenen geht, tja und da habe ich leider schnell das Interesse verloren, selbst wenn das Buch dem entgegenwirken sollte.
Es waren einfach zu viele Geschichten zu durcheinandergewürfelt.
Von Brüdern aus Paris, die mehr Glück als Verstand hatten mit ihrer Zauberei.
Vom Naziblatt „Der Stürmer“, von Geistheilanstalten und Kleinwüchsigen.
Von Amazonen und Samoanern.
Von, ach... weiß der Geier.

Mathis Bohnsack, der all diese Geschichten faszinierend fand und dessen fast schon naiv-zurückhaltende Weltanschauung mich theoretisch gut unterhalten hat, hat im Laufe der Zeit zwischen 1902-1935 irgendwie seinen Reiz verloren.
Es wurde zu viel für mich und ich kam nicht mehr hinterher.
Bis auf das Auseinanderhalten der beiden Zeitstränge musste ich teilweise einfach Seiten und Absätze überspringen und habe schließlich bei Seite 453 kapituliert.
Deswegen gibt es nur ein kleines Fazit, aber die Bewertung fällt aus.

Fazit:

„Das Buch der vergessenen Artisten“ ist eigentlich super interessant.
Wenn man denn auf Historisches und den Charme der alten Zeit steht.
Wer sich gern mit der Vergangenheit beschäftigt und mit dem etwas trockenen Stil und der irgendwie leicht gefühllosen Erzählweise klar kommt, der darf sich auf 752 Seiten Unterhaltung freuen. Mir fehlte allerdings der typische Jahrmarktflair.
Es war mehr denn je eine Sammlung geschichtlicher Ereignisse, auf die niemand ein Auge gerichtet hat. Das Leben von Mathis und Meta ist authentisch für die damalige Zeit, aber durch die eher vor sich hin tröpfelnde Story absolut nicht meins.

Das könnte dir auch gefallen...

0 Kommentare

Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars werden personenbezogene Daten gespeichert, nämlich Name, E-Mail Adresse und IP. Durch das Absenden des Kommentares erklärt sich der Nutzer hiermit einverstanden. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung: https://ausdemlebeneinerbuechersuechtigen.blogspot.de/p/datenschutz-rechtliches.html

Beliebte Beiträge

Subscribe