[Rezension]
White Maze
(Du bist längst mittendrin)

Juli 15, 2018

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!*

Infos zum Buch / Werbung!

June Perry - White Maze
(Du bist längst mittendrin)

Genre: Jugendbuch/Dystopie
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 13. Juli 2018
Verlag: Arena Verlag
Seitenanzahl: 376 Seiten
Ebook: 14,99 € ; Print: 18,00 €
Hier kaufen: Amazon / Verlag


Inhalt:

Mit einem Schlag endet Vivians sorgenfreies Leben: Ihre Mutter Sofia wurde ermordet!
Die erfolgreiche Game-Entwicklerin stand kurz vor dem Release eines bahnbrechenden Computerspiels. „White Maze“ wird mit neuartigen Lucent-Kontaktlinsen gespielt  - dank ihnen erleben die Spieler virtuelle Game-Welten mit allen Sinnen. Aber warum zerstörte Vivians Mutter kurz vor ihrem Tod die Prototypen der Linsen?

Zusammen mit dem schulbekannten Hacker Tom will Viv den Mord an Sofia aufklären.
Dazu muss Viv selbst Lucent-Linsen einsetzen und tief in die virtuelle Welt eintauchen.
Doch dort ist es für den Mörder ein Leichtes, die falsche Realität nach seinen Spielregeln zu manipulieren. Kann Vivian ihren eigenen Gefühlen vertrauen, wenn alles, was sie sieht, hört, riecht und schmeckt, bloße Lüge ist?
(Quelle: Amazon)

Meinung:

Stell dir vor, du lebst in einer mehr oder weniger tristen, grauen Welt.
In einer Welt, in der die Realität vernachlässigt wird.
Weil die andere, die virtuelle Realität, die man sich dazu laden kann so viel besser ist.
Weil in der anderen Welt Einhörner existieren können.
Einfach so, mit einem Fingerschnippen.
Weil man dort das beste Sushi überhaupt essen kann, ohne eine weite Reise dafür anzutreten.
Weil man in der anderen Welt Zwergen nachjagen, Feen sehen und Quests lösen kann.
Weil die andere Realität wie ein riesengroßes Interface ist, das man immer bei sich trägt.
Auf den Augen. Als Kontaktlinsen.
Stellt es euch als Filter mit Zusatzelementen vor, den man über die Realität legen kann.
Wer würde dann noch zurückschalten wollen?

Die Idee der Autorin ist nicht neu. Zumindest nicht der Grundgedanke Kontaktlinsen als Zugang zu virtuellen Realitäten zu nutzen. Ich meine, selbst bei uns existiert ja schon die VR- Brille.
Der Schritt zu den kleineren, praktischeren Linsen hin ist da kein großer.
Und doch hat die Autorin hier eine bombastische Geschichte daraus gesponnen. Eine Geschichte voller Farben, magischen Momenten und ja - einem, zumindest für mich - offenem Ende.
Ich bin mir nicht sicher, ob es einen zweiten Teil geben wird. Möglich wäre es.
Aber auch wünschenswert? Gute Frage. Ich kann sie nicht beantworten und auch nicht erklären warum - dafür müsste ich spoilern.

Vivian Tallert lebt in einer Welt, in der es normal geworden ist, Linsen mit augumented Reality Zugang zu tragen. Emails, Kontakte, Spiele - fast alles läuft nur noch über die speziellen Linsen ab, die mit ihren Goldäderchen Unmengen von Daten transportieren und über die Netzhaut ans Gehirn senden.
Mit ihren beiden besten Freundinnen Sara und Kelly besteht ihre Realität überwiegend aus Schule, Shoppen und WoD - Wisdom of Dwarfs, ein Spiel, das man in der AR (augumented reality) spielt und in dem man Quests löst und Erfahrungspunkte sammeln kann. Ein Spiel, das ihre Mutter entwickelt hat. Denn sie ist die beste Game-Designerin der Mainhead-Company.
Bis zu ihrem Tod zumindest, der Vivans bisheriges Leben komplett aus der Bahn wirft. Denn jetzt ist es an ihr den Release von White Maze, zusammen mit den Lucent Linsen - dem neusten Clou von Sofia Tallert - zu stoppen. Doch wie soll sie das anstellen?
Sie, das Mode-Trend-Püppchen, das von den nerdigen Dingen eigentlich kaum Ahnung hat und schon beim kleinsten Hauch von echter Realität ausflippen wollen würde?
Die Lösung des Ganzen - die Geschichte, die die Autorin darum aufgebaut hat, hat mich umgehauen!

Alleine schon der Schreibstil. June Perry schreibt jugendlich, frisch.
Sie vermischt philosophische Fragen mit der Realität, mit einer Lockerheit und dem manchmal abgehackten Stil, den ich so liebe.
Weil oftmals unvollständige Sätze länger nachwirken als das große, ausladende Wordbuilding.
Der Schreibstil passt zur Geschichte. Immer in Entwicklung.
Man steckt, wie der Titel schon sagt, mittendrin. Wird mitgerissen. Eingefangen.
Abwechselnd erlebt man die Sichtweisen von Vivian, Tom, Sofia und noch einigen mehr aus der Ich- bzw. aus der erzählenden Perspektive. Ab und zu wollte ich selbst Teil der Story werden, nur um das nachzufühlen, was die Protagonisten gerade erleben.
Und dann wiederum ist genau das geschehen. Es ist schwer zu beschreiben, was White Maze mit mir gemacht hat. Noch schwerer zu erklären, warum diese Story so gut ist. Aber ich versuch es mal.

Obwohl Vivian anfangs ein wenig abgehoben und snobbig rüber kommt, mochte ich das 16 jährige Mädel sofort. Sie hat mir mit ihren „banalen“ Träumen, Wünschen und Schwärmereien, ein bisschen Jugendzeit geschenkt. Und im Laufe der Geschichte verändert sie sich insofern, dass man es als Leser miterlebt. Man wächst mit ihr. Wird stärker. Innerlich und äußerlich. Mutiger.
Man entdeckt Geheimnisse und lässt sich von Weisheiten die Schönheit der eigentlichen Welt zeigen.
Es gibt auch eine kleine Liebesgeschichte. Sie ist echt und schleichend.
Ich konnte die Gefühle, die Entwicklung, die Entstehungsgeschichte absolut nachvollziehen.
Und ich war selbst ein wenig verliebt. In Sachen Authentizität hat die Autorin also voll gepunktet.

Ein weiterer Charakter, der eine große Rolle spielt, ist Tom. Der Outlaw und Schulhacker.
Der Einzige, der Vivian jetzt noch aus der Patsche helfen kann.
Der Einzige, der ihr helfen kann, den Laptop ihrer Mutter zu hacken.
Der Einzige, der zur Aufklärung des Fehlers in White Maze etwas beitragen kann.
Der Einzige, dem Vivian noch vertrauen kann. Oder?

Was kann man tun, wenn man nicht mehr weiß, was real ist und was nicht?
Was tun, wenn Körper und Geist mit falschen Informationen gefüttert werden?
Wenn ein „Fehler in der Matrix“ dir vorgaukeln kann, dass du stirbst - und du stirbst? Was wäre wenn...?

„Das Schwarz in dem Durchgang kommt mir vor wie das Ende der Welt.
Wenn ich es betrete - dann verschluckt es mich.
Meinen Körper, diesen Verräter, der mich Emotionen fühlen lässt, die mich belügen.
Verliere dich nicht, Vivian!“
(Seite 366)


Fazit:

Mit White Maze hat die Autorin eine extrem spannende, faszinierende und gleichzeitig verwirrende Geschichte kreiiert, die die grauen Zellen fordert. Die die Realität verschwimmen lässt.
Die einen mit allen Sinnen betört und benebelt. Vor allem das Ende - chaotisch und mitreißend.
Ist das alles wahr? Oder hat mich die erfundene Welt geblendet?

White Maze erzählt von einem Mädchen, das sich selbst unter den schwersten Bedingungen fand, sich verliert und wieder findet. Ein Jugendbuch mit dystopischen Elementen, das in magisch erscheinende Welten entführt und alles pulverisiert woran man bis dahin geglaubt hat.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

Das könnte dir auch gefallen...

0 Kommentare

Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars werden personenbezogene Daten gespeichert, nämlich Name, E-Mail Adresse und IP. Durch das Absenden des Kommentares erklärt sich der Nutzer hiermit einverstanden. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung: https://ausdemlebeneinerbuechersuechtigen.blogspot.de/p/datenschutz-rechtliches.html

Beliebte Beiträge

Subscribe