[Rezension]
Tigerstreifenhimmel

Juli 14, 2018


Infos zum Buch / Werbung!

Ronja Delahaye - Tigerstreifenhimmel

Genre: LGBT
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 31. Mai 2018
Verlag: Selfpublishing
Seitenanzahl: 362 Seiten
Ebook: 3,99 € ; Print: 14,97 €
Hier kaufen: Amazon / Autorin


Inhalt:

„Okay, es ist wie bei Schrödingers Katze. 
Es ist möglich und nicht möglich, dass es da jemanden gibt,
den ich dummerweise nicht mehr vergessen kann.“

Das sagt Rike zu ihrem besten Freund, nachdem sie dessen Schwester Camila kennengelernt hat. Seitdem geht sie ihr nicht mehr aus dem Kopf.
Camila ist überall – in ihren Gedanken, ihren Träumen und irgendwann steht sie sogar unerwartet einfach vor ihr. Von einer Peinlichkeit stürzen sie in die nächste, bis sie sich schließlich darauf einigen, einfach nur miteinander ins Bett zu gehen. Wochen vergehen und was eigentlich nur eine kleine Ablenkung sein sollte, wird zu etlichen gestohlenen Stunden.
Schon bald gelingt es ihnen nicht mehr, ihre Gefühle füreinander zu verbergen - Doch keine von ihnen ist sich sicher, wo das hinführen soll.
(Quelle: Amazon)

Meinung:

Ich kann es nicht leugnen: Ich bin ein Hype-Opfer und stehe auf gute LGBT (Lesbian/Gay/Bi/Transexuell) Storys. Und nachdem ich von „Tigerstreifenhimmel“ so viel Gutes gehört hatte, musste ich es einfach kaufen und lesen. Bis auf ca 50 Seiten habe ich das Buch in einem Zug (besser gesagt Flugzeug) durchgelesen. Denn eins kann ich jetzt schon sagen:
Fesselnd ist es auf jeden Fall!

Es geht um Rike und Camila.
Beide Frauen haben es nicht gerade leicht im Leben.
Während Camila die Rechnungen für die Probleme ihres Bruders - auf nicht immer legale Weise - begleichen muss und ihn dadurch kaum sieht, spielt Rike mit dem Leben Katz und Maus.
Es gibt nur wenige Menschen, denen sie sich öffnen kann. Nachdem eine böse Krankheit ihren Bruder Levi dahin gerafft hatte, blieben der belesenen, merkwürdig denkenden Rike nur wenige Freunde.
Einer von ihnen ist Rafael, der es schafft, immer wieder die richtigen Worte zu finden, um Rike aufzubauen, wenn sie an sich selbst zweifelt.
Und dabei trifft er oft direkt ins Herz. Eine meiner Lieblingsstellen ist folgende:

„Ich weiß nicht, wer auf die Idee kam, die Welt mit dürren Skeletten vollzupflastern,
aber es war die beschissenste Idee, die mir jemals untergekommen ist.
Und das sage ich wohlwissend, dass es sowas wie den ersten und den zweiten Weltkrieg gab.“
„Worauf willst du hinaus?“, fragte ich.

„Querida, nur weil die Medien es als Ideal anpreisen, ist es das nicht.
Du bist eine Frau. Frauen brauchen Kurven und all diese Dinge.
Aber am Ende zählt sowieso nur eine Sache: Du musst dich wohl fühlen.
Und solange das so ist, sollte kein Mensch auf dieser Welt die Macht besitzen,
dich mit seiner Meinung in Unsicherheiten zu stürzen.“
(Seite 127)

Die Geschichte ist voll mit solchen Dingen. Lebensweisheiten und Ansichten, die genau meiner Meinung Worte verleihen. Die Autorin spricht mir dabei aus der Seele. Genau wie mit dem Rest der Story, die sie gut verpackt hat. Der Schreibstil ist poetisch, locker und schön.
Es lässt sich leicht lesen, verinnerlichen und auch in die Protagonisten kann man sich aufgrund der Ich Perspektive gut hineinversetzen. Ich kann jetzt nicht sagen, dass es eine große emotionale Achterbahnfahrt war, bei der ich geweint, gelacht und mitgelitten habe - aber es war tiefgründig und die Anziehung der beiden war deutlich spürbar.

Die Atmosphäre, die die Geschichte umgibt, wechselt je nachdem, wer gerade seine Sicht darlegt.
Bei Rike hatte ich das Gefühl, dass sie sich große Mühe gibt, der Welt zu gefallen und trotzdem sich selbst zu bewahren - dementsprechend kam alles etwas unterwürfig rüber, gleichzeitig war Rike aber auch weltbehjahend und etwas schräg.
Camila hingegen strahlte von vorneherein Gefahr, Rebellion und den typischen Einzelgängermodus aus. Ich mochte sie zu Beginn etwas mehr, was dann im Laufe der Handlung abflaute, aber nichtsdestotrotz blieben mir fast alle Charaktere sympathisch.

„Tigerstreifenhimmel“ ist nicht die typische „Und sie lieben sich bis an ihr Lebensende“-Geschichte.
Es ist eine Story direkt aus dem Leben gegriffen, mit all den Problemen, Philosophien, Witzen und Rückschlägen. Und auch wenn mich die Worte der Autorin eingelullt haben und ich das Buch nicht weglegen konnte, so konnte es mich trotzdem nicht ganz überzeugen.
Ich hoffte auf einen Überraschungsmoment. Hoffte, dass Rike sich charakterlich etwas mehr in Richtung Offensive bewegt. Denn es gibt da einen Wesenszug an ihr, den ich persönlich leider fast gar nicht mag und auch dementsprechend nicht nachvollziehen kann.
Welcher das ist, das könnt ihr vielleicht selbst herausfinden.

Fazit:

„Das sind die Sachen, die am Ende zählen, wenn es darauf ankommt.
Nicht wie viel Geld man füreinander ausgegeben hat,
sondern was für Erinnerungen man miteinander geschaffen hat.
Und dazu braucht es nicht das Konto eines Millionärs.“
(Seite 299)

„Tigerstreifenhimmel“ erzählt eine etwas andere Liebesgeschichte. Solche mit Ecken und Kanten und Rundungen. Und mit jedem LGBT Buch, das sich um zwei Frauen dreht, habe ich das Gefühl, dass diese Geschichten einfach tiefer gehen. Mehr ins Herz treffen als andere.
Weil ich, als Frau, ja mehr davon betroffen bin.
Obwohl ich ein bisschen Spannung vermisst und mir ein, zwei Punkte nicht gefallen haben, kann ich das Buch im Bereich LGBT fast uneingeschränkt empfehlen.

Herzerwärmend, lesenswert und mit dem gewissen Booknerdfeeling.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️ (4/5)

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