[Rezension]
Einmal im Jahr für immer

Mai 26, 2018


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Sarah Ricchizzi - Einmal im Jahr für immer

Genre: Lebensroman
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 29. August 2017
Verlag: epubli
Seitenanzahl: 342 Seiten
Ebook: 1,99 € ; Print: 9,99 €
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Inhalt:

Was bedeutet eigentlich Leben?

Math ist tot.
Und Amelie Red fragt sich, weshalb sie noch weiterleben soll.
Wozu den Schein wahren, wenn der Tod so schwer auf ihr lastet?

In ihrer Trauer um ihren verstorbenen Ehemann, vergisst Amelie Red, wer sie einst gewesen ist und verliert sich in ihrer eigenen Gedankenwelt. Dann klopft ein Clown unerwartet an ihre Badezimmertür und sprengt ihr Leben mit Abenteuern, die sie nicht erleben will.
Ein Clown lässt sich allerdings nicht so einfach ignorieren, schon gar nicht, wenn im eigenen Treppenhaus ein Regenbogen erscheint, eine Hüpfburg im Wohnzimmer thront und sie das Haus nicht mehr durch die Haustür, sondern durch ein Fenster betreten muss.

Meinung:

Nun sitze ich hier und frage mich zum ersten Mal wirklich: Wie fange ich am besten an?
Diese Rezension zu einem Roman, der mich auf der einen Seite durch seine Situationskomik sehr belustig hat und der sich auf der anderen Seite aber mit einem tiefgreifenden Thema beschäftigt, das uns alle angeht: Depressionen und seine Folgen.
Und ja, es geht uns alle an, denn depressiven Menschen sieht man die Krankheit oft nicht an.
Sie versteckt sich, fällt oft nicht auf, selbst dem engsten Familienkreis nicht. Manchmal wird sie auch bewusst verschwiegen.
Aber es ist und bleibt eine Krankheit und kein Zustand, auch wenn viele das Gegenteil behaupten.

Ich denke, ein jeder hatte schon mal diese Phase: Zu nix Lust, zu nichts zu gebrauchen, nur dunkle Gedankengänge, die Motivation am Boden, man will keinen Schritt mehr tun. Bei Depressionen ist das Dauerzustand. Zumindest stelle ich mir das so vor, aber ich will mir hier kein Urteil erlauben, sondern nur kurz erklären, worum es im Buch geht.
Der Klappentext deutet es ja an: Math, die Liebe von Amelie Reds Leben ist tot.
Aus dem Leben gerissen worden. Unwiederbringlich.

Der Einstieg beginnt mit einem berührenden Brief, den Math ihr hinterlassen hat. Um ihr Leben zu erleichtern, nachdem er gegangen ist. Und hier begann auch schon der erste große Zwiespalt, denn...
Ich liebe den Schreibstil der Briefpassagen. Er geht nahe, kriecht unter die Haut, versprüht Emotionen, fesselt. Im Gegensatz zum Stil des restlichen Buches. Der konnte mich weniger begeistern.
Wie erklärt sich das jetzt am besten?
Der Schreibstil wurde mir zu holprig. Zu viele Fragen. Zu viele lebensverändernde Bilder, die die Autorin versucht in Worte zu fassen. Es ist jetzt nicht so, dass er sich nicht vernünftig lesen lässt.
Ich habe durchaus den Gedanken dahinter verstanden (also, ich glaube zumindest, dass es der Gedanke war) - nämlich, dass Trauer nicht immer einfach ist.
Dass einem trauernden Menschen durchaus mal der Kopf platzen kann.
Dass jeder anders mit Trauer umgeht. Mit Verlust.
Dass Chaos herrschen muss, damit man die Kontrolle zurückerlangen kann.
Aber dennoch: Das war nichts für mich.

Bis Amelie Red, wie sie immer wieder namentlich in den Passagen erwähnt wird, anfing Briefe zu schreiben. An ihren toten Ehemann.
Diese Briefe waren dann wieder klar. Verständlich. Einschneidend.
Wie kurze Verschnaufspausen von den anstrengenden Dingen.
Vielleicht lag es auch daran, dass diese Briefe in der Ich-Perspektive verfasst sind. Das präferiere ich. Irgendwie fühle ich mich dann jedem direkt näher.
Doch nun erstmal zum restlichen Inhalt:

Amelie Red ist eine starke Frau.
Sie hat ihr Leben stets selbst in die Hand genommen, vor nichts zurückgeschreckt und immer die Kontrolle behalten. Wenn sie etwas nicht planen konnte, wurde sie halb wahnsinnig.
Das hielt sie so lange durch, bis Math in ihr Leben stolperte und nicht mehr bereit war zu gehen. Er liebte es, sie mit ihren Eigenarten aufzuziehen.
Bis er es nicht mehr konnte. Und Amelie ihre Lebensfarbe, ihre Freude, ihr alles verlor. Ihre Konstante. Der Kleber, der sie zusammenhielt bröckelte und zerbarst in tausend Stücke als Mathew tot aufgefunden wurde.
Und erst ein Clown mit einem Herzen aus Gold und einem Willen wie dreizehn Elefanten half ihr, sich Stück für Stück wieder zusammenzusetzen und das ohne, dass sie es anfangs bemerkte.

Es ist an dieser Stelle schwierig zu sagen, ob diese Geschichte Höhen und Tiefen hat. Kann das Leben spannend sein, wenn man trauert und aufarbeitet?
Es kann. Aber nur kurzweilig und aus der Sicht eines Außenstehenden.
Ich fand die Methoden und Fantasien des Clowns, um Amelie aus der Reserve zu locken, auf jeden Fall sehr unterhaltsam. Vor allem das mit der Farbe bin ich versucht zu probieren, wenn wir mal in ein Haus umziehen. Oder sowas ähnliches. Das muss unfassbar befreiend sein.
Ich vergleiche solche Bücher ganz gerne mit dem Gefühl zu ersticken:
Anfangs zieht sich die Schlinge immer enger zusammen, je mehr man strampelt, um frei zu kommen, desto schlimmer wird’s. Zum Ende der Geschichte hin, mit jedem Stück Charakter, das freigelegt wird, kann man dann wieder besser und besser atmen. Es wird Lichter. Weniger dunkel.
Von Bluebird zu Amelie Red. Ein Roman in zwei Schichten.

Fazit:

„Einmal im Jahr für immer“ ist für mich schwer zu beurteilen.
Ich verstehe das Thema, finde es gut umgesetzt und verarbeitet, aber ganz erreicht hat es mich eben auch nicht. Ich glaube, dass mich an dieser Stelle ein Buch voller Briefe von Amelie, dem Clown und Math viel mehr für sich eingenommen hätte. Nichtsdestotrotz ist es eine wunder-traurige Geschichte. Vom Lieben, Leben, Leiden.

Empfehlenswert für alle, (Achtung, nur meine persönliche Meinung, keine offizielle Empfehlung) ohne psychische Vorbelastung, die gern ja, ich weiß nicht, die gern Romane lesen, die das Leben schreibt. Mit Trauer, Wut, Hass, Luftballons und einem rosa Elefanten.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️ 💫 (3,5/5)

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