[Rezension]
Die Stille meiner Worte

Mai 20, 2018


Infos zum Buch / Werbung!

Ava Reed - Die Stille meiner Worte

Genre: Jugendbuch
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 09. März 2018
Verlag: Ueberreuter Verlag
Seitenanzahl: 320 Seiten
Ebook: 14,99 € ; Print: 16,95 €
Hier kaufen: Amazon / Verlag


Inhalt:

Hannah hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam.
Wer soll nun ihre Gedanken weiterdenken, ihre Sätze beenden und ihr Lachen vervollständigen? Niemand kann das. Egal, was Hannahs Eltern versuchen, sie schweigt.
Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe.
Schreibt und verbrennt sie. Immer wieder.
Hannah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen.
Bis sie Levi trifft, der mit aller Macht versucht herauszufinden,
wer sie wirklich ist …

Meinung:

Ein Unfall. Ein Bruch. Eine einschneidende Veränderung.
Es gibt so viele Dinge, die einen Menschen zum Verstummen bringen können.
Auch Hannah hat so ein Ereignis erfahren. Am eigenen Leib erlebt.
Es hat ihr die Worte gestohlen und ihr den Mund verklebt.
Hat ihre Gedanken abgeschirmt und in ihrem Kopf eingesperrt.
Und jetzt ist sie unter ihren Eltern allein.
Allein mit ihren Grübeleien, ihrer Trauer und Mo, ihrem Glückskater.
Denn ihre zweite Hälfte, ihre Lebenskonstante, ihre Zwillingsschwester Izzy ist nicht mehr.
Sie ist tot. Weg. Fort. Für immer.
Und sowas tut weh. Jedes Mal.

Ihre Trauer verarbeitet Hannah in Briefen.
Die Autorin setzt in der Geschichte gekonnt auf die symbolischen Bedeutungen von Feuer, Wasser, Gewitter und Sturm. Dass das geschriebene Wort beim Verarbeiten von Emotionen oftmals behilflich ist, ist allgemein bekannt.
Doch Hannah braucht mehr. Sie muss sicher gehen, dass ihre Gefühle Izzy auch erreichen. Das können sie nur, wenn sie die Briefe verbrennt und der Rauch die Nachrichten in den Himmel trägt.
Es ist ein wunderschönes Bild, das die Autorin hier gezeichnet hat.
Und seit dem Unfall Hannahs einzige Möglichkeit sich auszudrücken.

Die Atmosphäre des Buches, das abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Hannah und Levi erzählt ist, ist anfangs bedrückend und einengend. Sie lastet schwer auf der Seele. Wie Trauer halt so ist.
Ich konnte Hannah also gut verstehen. Konnte verstehen, warum sie für die Welt, die ihr auf grausame Art und Weise die Schwester genommen hat, keine Worte mehr erübrigen kann.
Hannahs Eltern jedoch konnten das nicht. Und so kommt es, dass sie Hannah auf ein Internat schicken, das ihr helfen soll, zurück ins Leben zu finden. Natürlich fragt niemand Hannah, ob sie das überhaupt will. Denn antworten kann sie ja sowieso nicht.

So beginnt für dieses junge Mädchen eine ganz andere Art der Trauerbewältigung. Im Camp, das vor jedem Schuljahr stattfindet, lernt sie Levi kennen. Levi wird neben Mo, ihrem Kater, bald zu einem Vertrauten, der sie auch ohne Worte zu verstehen scheint. Und es stellt sich heraus, dass man mit seinen jeweiligen Problemen zusammen besser allein sein kann.

Ich kenne Avas Stil schon von ihren anderen Geschichten. Viel Fantasy habe ich bisher von ihr noch nicht gelesen, aber die Jugendbücher habe ich alle verschlungen. Der Schreibstil ist fesselnd und gleichzeitig so locker. Sie lässt geschickt Phrasen in die Bücher einfließen, so unauffällig und doch prägend, als gehörten sie genau dort hin.
Und während man als Leser durch die Seiten fliegt und auf der einen Seite von dunklen, unbändigen Gefühlen fast erdrückt wird, klinken sich diese schönen Worte auf der anderen Seite ins Leserherz ein, machen nachdenklich und schenken gleichzeitig einen Hauch Lebensfreude.
Obwohl die meisten von ihnen aus traurigen Gründen entstanden sind.

„All die ungesagten Worte in mir sind Verständnis und Unverständnis zugleich,
sie sind Einsamkeit und Gesellschaft,
sie sind mein Gefängnis und meine Freiheit.
Sie sind wie Fremde, die mich umarmen, und wie Freunde,
die mir den Rücken kehren.
Sie sind da und sie können nicht heraus - sie sind wie ich.“

(Brief an Izzy, Seite 7)

Ich mag solche Geschichten wirklich sehr.
Mag den Verlauf von Dunkelheit ins Licht. Mag die Stimmung, die die Worte und Nicht-Worte malen. Ich mag die Briefe am Ende von Hannahs Kapiteln. Sie zeigen ihre Seele. Rein und unverfälscht. Pur.
Hannahs Charakter ist authentisch, Levi ist geheimnisvoll.
Sarah die schüchterne, loyale Freundin und ganz besonders Mo hat es mir angetan.
Weil Katzen nun mal die besten Haustiere der Welt sind.
Katzen verstehen, Katzen verteidigen, Katzen lieben.
Das war für mich das Tüpfelchen auf dem i.

Fazit:

„Die Stille meiner Worte“ ist ein tiefgründiges Jugendbuch zum Thema Trauerbewältigung.
Es kommt mit einer düster-lichten Atmosphäre daher, schenkt mit Geschichten und knisterndem Lagerfeuer Feriencampfeeling und ist für emotional offene Menschen sehr berührend.
Mit Protagonisten, die für ihre jungen Jahre mit großen Problemen umgehen müssen, die sich eigene Wege zum Verarbeiten suchen und sich auch ohne viele Worte verstehen.

Für alle, die wissen, was es heißt, jemanden zu verlieren.
Für Katzenfans und alle, die fest daran glauben, dass Musik das beste Heilmittel ist.

„Die Musik ist wie ein Pflaster, wie eine Tablette gegen die Schmerzen.
Nicht von Dauer, aber nützlich. Sie ist wie ein alter Freund.“

(Levi, Seite 133)

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (5/5)

Das könnte dir auch gefallen...

0 Kommentare

Für die erforderliche Zuordnung des Kommentars werden personenbezogene Daten gespeichert, nämlich Name, E-Mail Adresse und IP. Durch das Absenden des Kommentares erklärt sich der Nutzer hiermit einverstanden. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung: https://ausdemlebeneinerbuechersuechtigen.blogspot.de/p/datenschutz-rechtliches.html

Beliebte Beiträge

Subscribe