[Rezension]
Den Mund voll ungesagter Dinge

Mai 19, 2018


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Anne Freytag - Den Mund voll ungesagter Dinge

Genre: Jugendbuch/Liebesroman (LGBT)
Reihe/Band: Einzelband
Schlüpftag: 06. März 2017
Verlag: Heyne Verlag
Seitenanzahl: 400 Seiten
Ebook: 11,99 € ; Print: 14,99 €
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Inhalt:

Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht.
Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat. Und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.

Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt.
Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem.
Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend.
Bis ein Kuss alles verändert.

Meinung:

Anne Freytag schreibt intensiv. Impulsiv. Berauschend. Berührend. Einnehmend.
Am Anfang der Geschichte war da nur ein seltsames Mädchen, das zu viele innere Monologe abhielt, die ein Spiegel ihrer äußeren Sorgen waren.
Und irgendwann hat es Klick gemacht und ich befand mich in Sophies Lebenswolke.
In ihren Gedanken. Eingesogen, ohne die Möglichkeit eines Auswegs.

Sophie ist 17, sieht aus wie Schneewittchen, hat einen besten Freund und zieht mit ihrem Vater zu seiner Freundin nach München. In ein Leben, das sie niemals wollte und das ihr jeden Tag vorhält wie seltsam sie ist. Zu Beginn dachte ich wirklich: Okay und wann wird es jetzt spannend?
Dem Leser wird aus der Ich-Perspektive von Sophie berichtet, wie sehr sie leidet. Aber gleichzeitig auch nicht. Bis auf Lukas und ihren Vater hat sie niemanden. Und für eine kurze Zeit hatte sie nicht mal Letzteren.

Was tun also, wenn niemand wirklich da ist, der einem zuhört?
Mit dem man seine Sorgen und Ängste teilen kann?
Genau, man lernt den Mund zu halten und fechtet die Kämpfe lieber mit sich selbst und im Innern aus. Deswegen ist Sophie verschlossen, wirkt unnahbar und weiß nicht, wie man Freunde findet.
Bis sie Alex in einer prekären Situation erwischt.
Und völlig fasziniert von ihr ist.

Alex wird zum Mittelpunkt ihres Lebens. Zu ihrem täglichen Gedankenkarrussell. Zum ersten Gedanken, wenn sie aufwacht. Zum letzten, wenn sie schlafen geht. Zum einzigen Punkt, den sie mit niemandem teilen kann und es trotzdem irgendwann der ganzen Welt präsentieren will.

„Irgendwas ist anders. Vielleicht ich. Vielleicht das Leben.
Was es auch ist, ich fühle mich weniger allein. Als wäre da jemand, der mich versteht.
Mal mit Worten und mal ohne. Ich kenne Alex noch nicht besonders lang,
aber jeden Tag, den ich sie kenne, mag ich sie noch ein bisschen mehr.
Weil ich mit ihr lachen kann. Und reden. Und schweigen.
Ich mag sie, weil ihr Herz genauso klug ist, wie ihr Verstand.
Und weil sie keine Angst davor hat, sie selbst zu sein -
etwas, wovor ich mich seit jeher zu Tode fürchte.“

(Seite 160)

Es ist eine Liebesgeschichte, die nicht sonderlich spannend, sondern aus dem Leben gegriffen ist.
Ein normales Setting, der Alltag zweier Schülerinnen kurz vor dem Abitur. Pfingstferien. Sommerlaue Tage. Familienprobleme und Partys. Highlights und Abstürze. Und mittendrin: Jemand, der sich noch nicht selbst gefunden hat und jemand, der nur glaubt, sich gefunden zu haben.

Die Autorin hat mich mit ihren Worten umgarnt. Die Geschichte war so wunderschön erzählt, so gänsehautverursachend, so atmosphärisch. Und doch gab es eine Sache, die mich ein wenig gestört hat. Ich meine, es ist ein Jugendbuch, ja. Die Jugend ist frei, leicht, wild.
Sie kann alles sein. Und ich habe den Protagonisten ihre Unbeschwertheit wirklich von Herzen gegönnt. Dennoch war es irgendwann einen Tick zu viel des Guten.
Zwei Wochen zuhause und nichts geschafft.
Ein Spaziergang, nichts gesehen.
Dann im Kino, der Film lief unbeobachtet aus.
Die Seifenblasenmärchenhülle hielt.
Ihr werdet hoffentlich verstehen was ich meine, wenn ihr die Geschichte lest.

Fazit:

Mit „Den Mund voll ungesagter Dinge“ hat die Autorin eine tiefgründige, emotionale Jugendgeschichte geschaffen.
Ein intensiver Schreibstil, kurze, prägnante Kapitel und ein extrem blank gelegtes Innenleben der Protagonistin verleihen dem Buch eine dunkle und gleichzeitig sehr lebendige Note.

Für alle, die gerade auf dem Weg zu sich selbst sind.
Für alle, die sich nicht entscheiden können... oder wollen.
In der Liebe gibt es kein richtig oder falsch.

Bewertung:

⭐️⭐️⭐️⭐️💫 (4,5/5)

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2 Kommentare

  1. Guten Abend Michèle,

    vielen Dank für deine tolle Rezension! Das Buch kenne ich nur vom Sehen. Ich hab schon einige positive Rezensionen dazu gesehen, aber mich spricht das Cover einfach nicht genu an. Aber ich denke, ich sollte dem Buch dennoch auch eine Chance geben. So viele Meinungen können sich da doch nicht irren und das Cover sagt ja eigentlich auch nichts über den Inhalt aus.

    Liebe Grüße
    Charleen

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    Antworten
    1. Liebe Charleen,

      ich beurteile ein Buch selten nach dem Cover. Bzw ich versuche es zu vermeiden. Würde ich mich von Covern leiten lassen, hätte ich so einige tolle Geschichten verpasst. Zum Beispiel von Nala Layoc „Nathan“. Das Cover ist grausig, aber die Geschichte ist wundervoll!
      Was gefällt dir denn an diesem Cover nicht? :)
      Liebe Grüße
      Micky

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